Der Jesus-Mythos
Eine esoterische Sicht auf die
Evangelien
von
Teil 2
e-Mail: elias.erdmann@gmx.de
Homepage:
http://www.elias-erdmann.tk/
Alles nur Lüge?
Aus heutiger Sicht mag uns das
wie ein Betrug erscheinen, wenn auf eine solche Weise eine Lebensgeschichte aus
älteren Motiven zusammen gebastelt wird. Aber die Jesus-Geschichte entstand
ursprünglich ganz sicher nicht in der Absicht uns anzulügen. Die mythische Erzählform
war einfach eine Möglichkeit, Ideen zu verpacken und eine Vorstellung vom
Göttlichen zu vermitteln. Das ist eine ganz andere Art und Weise, die
Evangelien zu betrachten: nicht wörtlich, als real-historische Ereignisse, die
sich auf der Erde exakt so ereignet haben, sondern symbolisch und gleichnishaft
als die Schilderung einer höheren, geistigen Perspektive auf die Wirklichkeit.
Wenn man eine Idee in einer
gleichnishaften Geschichte verpackt, ist es nicht so wichtig, ob sich die Geschichte
auch wirklich exakt so ereignet hat. Denn es kommt nicht auf die Geschichte an
– die ist nur Verpackung – sondern auf die Idee, die in ihr steckt.
Da es bei dieser Erzählform
in erster Linie auf die Idee ankommt und nicht so auf die Verpackung, ist es
auch gar nicht so ungewöhnlich, wenn unterschiedliche Erzähler die gleiche Idee
ganz unterschiedlich verpacken. Und natürlich ist es auch möglich, dass
unterschiedliche Erzähler ganz unterschiedliche Ansichten über eine Idee haben
und dadurch andere Schwerpunkte setzen.
Wenn man nun ganz konkret
darstellen möchte, dass eine Idee auch schon in älteren Geschichten steckte –
dass es eigentlich in den alten Schriften immer nur um genau diese eine Idee
ging, dann ist es auch verständlich, wenn man auf diese Zusammenhänge mit dem
alten Testament hinweist.
Ein gleichnishafte
Geschichte, die verwendet wird, um eine Idee zu vermitteln, ist keine Lüge, so
lange man sie als ein Gleichnis betrachtet. Ein Problem entsteht eigentlich
erst dann, wenn man aus Unverständnis eine solche Geschichten in einem
wörtlichen Sinne zu einer historischen Wahrheit erklärt, wenn man also bei
einem Mythos so tut, als sei es ein Logos.
In der Antike gab es eine
Unterscheidung von Mythos und Logos. Es sind zwei unterschiedliche Arten, eine
Information zu vermitteln. Mythos ist eine erzählende Rede mit symbolischen
Motiven. Logos ist demgegenüber eine begriffliche, erklärende, lehrhafte Rede.
Der Logos führt zur Erkenntnis, er macht wissend, der Mythos zielt auf
umfassenden Sinn und macht weise. (siehe: http://www.joerg-rudolf.lehrer.belwue.de/gkreli/ga/mythos.htm)
Einen Mythos nach seinen
historischen Daten zu beurteilen, das ist etwa so sinnvoll, als wenn man in der
Bedienungsanleitung eines Videorekorders nach seiner mythischen Symbolik
beurteilt. Genau so etwas passiert aber, wenn „bibeltreue Christen“ die
wunderbaren biblischen Mythen durch die „Logos-Brille“ betrachten und so tun,
als seien das alles exakte historische Berichte. Damit zerstören sie einerseits
den Mythos und machen andererseits daraus einen Logos, der einer kritischen
Prüfung nicht wirklich standhält. Das gleiche Resultat hat man übrigens auch,
wenn man die Bibel „entmythologisiert“, wie es manche modernen Bibel-Forscher
machen.
Man kann einen Logos (= eine
sachliche Information) in eine Geschichte packen und daraus einen Mythos
machen. Und ebenso kann man den Logos (=die sachliche Information) auch wieder
freilegen, indem man den Mythos symbolisch analysiert. Das ist aber etwas
anderes, als wenn man bei einem Mythos so tut, als sei es bereits ein Logos.
An zwei Beispielen wird
später noch gezeigt, wie man den Logos aus der biblischen Symbolik frei legen
kann:
1) an der Aussage, dass Jesus
für unsere Sünden gestorben sei
2) an der Versuchung Jesu
durch den Teufel
Eine esoterische Sichtweisen
auf die Evangelien
Bei dieser anderen Sichtweise
geht es nicht um einen Glauben an eine Person Jesus, die vor 2000 Jahren lebte,
sondern es geht um eine göttliche Kraft, die in jedem von uns steckt und die
wiedererweckt werden kann. Die unterschiedlichen Erfahrungen, die Menschen mit
dieser Kraft machten, wurden in den Evangelien als „Jesus“ zusammen gefasst und
personifiziert.
Natürlich wirkte diese Kraft
auch vor 2000 Jahren in den Menschen und vermutlich wirkte sie auch in Johannes
dem Täufer und in Paulus. Im Johannes-Evangelium wird diese Kraft als Licht
bezeichnet:
Joh
1,6 Es war
ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Der kam zum Zeugnis, um von
dem Licht zu zeugen, damit sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht,
sondern er sollte zeugen von dem Licht.
Aber es geht nicht darum, dass
diese Kraft vor 2000 Jahren bei Johannes und Paulus wirkte. Davon haben wir
nämlich heute nichts. Sondern es geht darum, dass sie heute in uns wirkt.
So lange wir glauben, dass
Johannes und Paulus nur von einem Menschen berichten wollen, der vor 2000
Jahren gekreuzigt wurde, so lange können wir nicht erfassen, dass sie
eigentlich von einer Kraft sprechen, die in jedem von uns begraben ist. Die
historische Sichtweise auf Jesus verstellt hierbei regelrecht den Blick für
diese Erkenntnis.
Diese göttliche Kraft, die in
den Evangelien als Jesus personifiziert wird, kann uns die Augen öffnen für die
verborgenen Zusammenhänge und so macht sie „Blinde“ sehend. Diese Kraft kann
uns Antrieb geben, so dass wir unsere „Lahmheit“ überwinden. Und diese Kraft
kann uns aufwecken aus einem Zustand, der in der Symbolik der Bibel als „Tod“
bezeichnet wird.
Und genau solche Erfahrungen
mit dieser Kraft werden auch in den Evangelien geschildert.
Der „Tod“ in der Symbolik der
Bibel
Mit Tod wird in der Symbolik
der Bibel nicht das gemeint, was wir so üblicherweise als Tod bezeichnen,
sondern es ist ein Zustand, wo in uns die Erinnerung an unsere geistige Heimat
„gestorben“ ist. Es ist genau der Zustand, in dem sich die meisten Menschen
befinden, die aus medizinischer Sichtweise eigentlich leben.
Jesus sagt: Mt 8,22: Folge
du mir, und lass die Toten ihre Toten begraben!
Dass sich die Toten
gegenseitig begraben, ginge sicherlich nicht, wenn sie im medizinischen Sinne
tot wären.
Und im Gleichnis vom
verlorenen Sohn heißt es: Lk 15,24 „Denn dieser mein Sohn war tot und ist
wieder lebendig geworden.“
Doch wenn man die Geschichte
nachliest, wird man feststellen, dass auch dieser verlorene Sohn nicht im
umgangssprachlichen Sinne tot war. Er war nur vom Vater getrennt.
Die gleiche Art von Tod
finden wir auch in der Schöpfungsgeschichte beim Baum der Erkenntnis. 1.Mose
2,17 „denn an dem Tage, da du von ihm issest, musst du des Todes sterben.“ Adam
und Eva essen von diesem Baum, doch so richtig sterben sie dadurch auch nicht, sondern
sie werden vertrieben.
Wenn sich der Mensch von
seiner geistigen Heimat trennt, wenn er den Weg in die materielle Welt
beschreitet und das Wissen über seine geistige Heimat verliert, dann wird
dieser Zustand in der Symbolik der Bibel als „Tod“ bezeichnet. Wenn das
„gestorbene“ Wissen über die geistige Heimat wieder in uns erwacht, dann ist
dieses die „Auferstehung“.
Konrad Dietzfelbinger
schreibt hierzu im Buch „Mysterienschulen“ im
Kapitel „Symbolik von Leben und Tod“:
Wenn der Geist im Menschen
unbewusst und unwirksam ist, so ist der wahre Mensch "tot", wie sich
die Mysterienschulen ausdrücken. Es kommt darauf an, ihn wieder zum Leben zu erwecken.
Das ist nur durch den Mysterienweg möglich: Einerseits muss die Kraft des
Geistes auf diesen innerlich Toten" einwirken. Das Licht des Geistes muss
einströmen und den inneren Menschen "erleuchten". Dadurch wird das
Programm des Geistes bewusst und wirksam, und der wahre Mensch "ersteht
auf". Andererseits muss der "unwahre" Mensch, der an der Sinnen-
und Schattenwelt orientierte, ichbezogene Mensch weichen, damit der wahre
Mensch "auferstehen" kann.
Die Bedeutung von: Jesus ist für
unsere Sünden gestorben
Wenn Jesus für uns
„gestorben“ ist, dann können wir diese Symbolik exakt nach dem gleichen Schema
übersetzen. Der Übergang in unsere Welt wird als Tod bezeichnet. Diese Kraft,
die in der Bibel als Jesus personifiziert wird, ist also in unsere Welt
gekommen.
Über den Begriff „Sünde“
schreibt der evangelische Theologe Prof. Dr. Hans-Joachim Eckstein:
Der Sündenbegriff ist bei uns moralisch eingefärbt. Schuld ist ganz stark an
die Moral geknüpft. - Wir können heute nicht mehr über Schuld und Sünde reden,
weil wir den falschen Sündenbegriff haben. Alttestamentlich, und noch viel
deutlicher und durchgängig im NT ist Sünde nicht, das was schlecht ist, nicht
das, was verboten ist. Wenn man Gerechtigkeit als ganzheitliche Beziehung
versteht, dann ist Sünde von ihrem Wesen her Trennung.
(Quelle: http://www.lza.de/materialhilfen/bibel/das_evangelium_neu_entdecken.htm)
Das deutsche Wort Sünde ist
übrigens sprachlich verwand mit „Absondern“ und mit Sund (z.B. Fehmarn-Sund) und bezeichnet einfach nur eine
Trennung.
Damit haben wir die
notwendigen Hinweise, um die Aussage „Jesus ist für unsere Sünden gestorben“ zu
übersetzen.
1.) Jesus ist die göttliche
Kraft.
2.) Der Tod ist ein Symbol
für den Übergang IN unsere Welt.
3.) Sünde bedeutet Trennung.
Die göttliche Kraft trennt
sich also von der geistigen Welt und kommt in die materielle Welt, damit der
Mensch den Zustand der Trennung überwindet.
Darum geht es im esoterischen
Christentum und dafür ist es vollkommen unerheblich, ob nun jemand vor 2000
gelebt hat oder auch nicht.
Der Abstieg dieser Kraft in
die materielle Welt wird in den Evangelien symbolisiert durch den Abstieg von
Jesus in das Reich des Todes.
Die Versuchung Jesu durch den Teufel (Mt 4,1)
Es geht im Gleichnis von der
Versuchung Jesu durch den Teufel um die Darstellung und Bewertung dreier Wege:
1) Geistige Erkenntnis an der
Materie gewinnen
Das ist der Weg des Forschers
bzw. des Naturwissenschaftlers, der versucht, durch die Analyse von materiellen
Dingen (=Steine) zur Erkenntnis zu gelangen. Dieser Weg wird symbolisch
ausgedrückt durch den Wunsch Steine in Brot zu verwandeln, wobei Brot hier ein
Symbol für geistige Nahrung ist.
2) Der Weg der spirituellen
Weltflucht bzw. Weltüberwindung
Viele Religionen und
esoterischen Traditionen erheben diesen Weg zum Ideal. Doch auf diese Weise
können nur „Luftschlösser“ entstehen und die so gewonnenen Erkenntnisse bleiben
theoretisch. In der Symbolik des Gleichnisses wird dieses ausgedrückt durch das
Abheben vom Boden.
3) Der Weg der Weltsucht bzw.
Weltverhaftung
Das beschreibt das Verhalten
all der Menschen, die nach irdischen Gütern streben.
Man könnte diese drei Wege
auch in modernen Begriffen benennen mit:
Wissenschaft (1), Theologie (2) und Konsum
(3).
Im Gleichnis fordert der
Teufel Jesus nacheinander auf, diese drei Wege zu gehen. Der Weg in die
Weltflucht (2) oder in die Weltsucht (3) werden von Jesus dabei prinzipiell und
deutlich abgelehnt.
Zur Weltflucht sagt er: „Du
sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen“ und zur Weltsucht sagt er: „Weg
mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten den Herrn, deinen
Gott, und ihm allein dienen“
Beim Weg des Forschers (1)
gibt es jedoch eine andere Reaktion. Es ist kein so deutliches „Nein“ wie in
den anderen beiden Fällen, sondern eher eine Ergänzung „Der Mensch lebt nicht
vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“.
Forschen alleine reicht also nicht, sondern man sollte jedes Wort Gottes
nutzen.
Die geistige Nahrung nur aus
dem Materiellen zu beziehen und die innere Stimme der Inspiration dabei zu
vernachlässigen, wäre also auch ein Irrweg.
Erst die Kombination
„Forschung und Inspiration“ ist der richtige Weg. Der Erfinder Thomas Alva
Edison drückte es so aus: „Genialität ist ein Prozent Inspiration und 99
Prozent Transpiration“. Mit Transpiration (=Schwitzen) ist der mühevolle und
langwierige Teil des Tüftelns gemeint. Aber ohne dieses eine Prozent der
Inspiration würde all die Mühe zu nichts führen. Alleine nur das Forschen
reicht also nicht.
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