Der Jesus-Mythos

 

Eine esoterische Sicht auf die Evangelien

von Elias Erdmann


Teil 1


e-Mail: elias.erdmann@gmx.de

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Bevor die esoterische Sichtweise auf die Evangelien dargestellt wird, ist es zunächst notwendig, sich etwas mit den traditionellen Glaubensvorstellungen auseinander zu setzen und sich von diesen Vorstellungen zu lösen, denn diese anerzogenen und tief verwurzelten Vorstellungen machen es uns andernfalls vollkommen unmöglich, die esoterische Botschaft zu erkennen, die in den Evangelien steckt.

 

Was wissen wir über Jesus?

 

In den Evangelien der Bibel erfahren wir von einem Jesus, der angeblich aus dem Hause David stammte, der von einer Jungfrau in einem Stall geboren wurde, dessen Eltern wegen Herodes nach Ägypten flohen, der später Kranke heilte und sogar den verstorbenen Lazarus auferweckte, der für 30 Silberlinge verraten wurde, der gekreuzigt wurde, der für unsere Sünden gestorben ist und nach 3 Tagen von den Toten auferstand.

 

Doch ein Jesus mit einer solchen Biographie hat mit Sicherheit nie gelebt. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass damals jemand in der Region lebte, der einen neuen Glauben lehrte und auf den die Spruchsammlung zurück geht, die uns heute als Thomas-Evangelium vorliegt. Aber über die Biographe dieses Menschen wissen wir so gut wie nichts.

 

Was wir aufgrund der Evangelien über ihn zu wissen meinen, ist in sich widersprüchlich und enthält etliche historische Fehler. Die rein männlichen Ahnenreihen bei Lukas und Matthäus, durch die eine Abstammung aus dem Hause David nachgewiesen werden soll, enthalten unschiedliche Namen und unterschiedlich viele Generationen. Und überhaupt macht so eine Ahnenreihe auch nur dann einen Sinn, wenn Joseph auch der Vater von Jesus ist. Die Steuerschätzung, wegen der Josef und Maria unterwegs waren, hat es nach den Aussagen der Historiker in dieser Form nie gegeben. Der Kindermord des Herodes ist ganz offensichtlich eine Dublette zu Moses, der auch schon dem Kindermord des Pharao entgeht. Und Silberlinge waren damals nicht mehr als Währung im Umlauf.

 

Die Auferstehung von Jesus ist für das heutige Christentum von ganz zentraler Bedeutung und so mag man eigentlich erwarten, dass wenigstens über dieses wichtige Ereignis eindeutige und zuverlässige Berichte vorliegen. Doch wenn man die unterschiedlichen Evangelien vergleicht, wird man feststellen, dass die Schilderungen am leeren Grab ganz erheblich voneinander abweichen.

 

http://www.bibel-online.net/buch/40.matthaeus/28.html

- 2 Frauen kommen (Maria von Magdala und die andere Maria)
- mit einem Erdbeben wird der Stein weggerollt
- ein Engel kommt vom Himmel

 

http://www.bibel-online.net/buch/41.markus/16.html

- 3 Frauen kommen, sehr früh, als die Sonne aufging (Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome)
- der Stein war schon weggewälzt
- im Grab ist ein junger Mann

 

http://www.bibel-online.net/buch/42.lukas/24.html

- die genaue Anzahl der Frauen wird nicht erwähnt (Es waren aber Maria von Magdala und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern mit ihnen ...)
- der Stein war schon weggewälzt
- beim Grab sind zwei Männer mit glänzenden Kleidern

 

http://www.bibel-online.net/buch/43.johannes/20.html

- Nur Maria von Magdala geht zuerst zum Grab, als es noch finster war
- zwei Engel in weißen Gewändern erscheinen später am Grab

 

Wenn man diese Widersprüche in den Jesus-Geschichten betrachtet, wird deutlich, was Paulus damit meint, wenn er von „Fabeln und Geschlechtsregistern“ spricht, „die kein Ende haben und eher Fragen aufbringen, als dass sie dem Ratschluss Gottes im Glauben dienen“ (1.Tim 1,3). Sein Evangelium ist im Gegensatz dazu „nicht von menschlicher Art“ (Gal 1,11). So wettert er auch gegen die "ungeistlichen Altweiberfabeln" (1.Timot 4,7) und verflucht diejenigen, die ein anderes Evangelium als seines predigen (Gal 1,7).

 

Doch genau auf diesen „Altweiberfabeln“ basieren die Glaubensvorstellungen im heutigen Christentum.

 

Außerbiblische Quellen über Jesus

 

Da die Evangelien uns keine verlässlichen Informationen über den historischen Jesus liefern können, stellt sich die Frage, ob es denn andere Quellen aus der Zeit und aus der Region gibt, die ihn erwähnen.

 

Bei den Qumran-Schriftrollen wären wir zwar in der richtigen Zeit und in der richtigen Region, aber die Gemeinde von Qumran hielt Jesus trotz all seiner Wunder offensichtlich nicht für erwähnenswert.

 

Auch den römischen Historikern fiel Jesus erst nachträglich auf, nachdem das Markus-Evangelium bereits erschienen war und sich das Christentum bereist auszubreiten begann. So ist zu vermuten, dass sich auch die Historiker primär auf christliche Quellen bezogen und uns daher keine unabhängigen Informationen liefern können.

 

Nach meinem Kenntnisstand ist dieses Zitat aus den Jahren 93/94 die angeblich, älteste Erwähnung von Jesus.

 

Josephus Flavius: "Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz ungewöhnlicher Taten und der Lehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen... Er war der Christus. Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu. Denn er erschien ihnen am dritten Tag wieder lebend, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm vorher verkündigt hatten. Und noch bis auf den heutigen Tag besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, fort" (Altertümer 18.3.3)

 

(zitiert nach http://www.hoffnung.de/bad/2002/2002-03-22)

Aber selbst kirchliche Quellen geben zu: „Die berühmte Stelle über Jesus XVIII, 63 f., das sog. Testimonium Flavianum, ist ein christl. Einschub, ebenso die zweite Erwähnung Jesu XX, 200. „ (Quelle: http://www.bautz.de/bbkl/j/Josephus_f.shtml)

 

Über die Entstehung der Evangelien

 

Wie die Evangelien entstanden sind, lässt sich heute sehr genau nachvollziehen. Etliche Motive und Aussagen aus dem neuen Testament sind ganz eindeutig Übernahmen aus dem alten Testament (Septuaginta). Die Evangelisten haben diese Sprüche und Motive zu einer neuen Geschichte verwoben und sie haben das Leben von Jesus ganz gezielt so gestaltet, dass es auf die alttestamentarischen Messias-Erwartungen passt und dass durch ihn „die Schrift erfüllt werde“. Und sie geben sogar in einigen Fällen Hinweise, auf welche Stelle im alten Testament sie sich beziehen.

 

Manche Christen sehen darin den Beweis, dass schon das alte Testament auf das spätere Wirken von Jesus hinweist und dass Jesus deshalb der Messias sein muss, der im alten Testament angekündigt wurde. Theoretisch wäre es ja tatsächlich möglich, dass die Evangelisten Berichte von Augenzeugen verwendet hätten und ausgehend von diesen Berichten nach Hinweisen im Alten Testament gesucht hätten. Doch so haben die Evangelisten nicht gearbeitet, denn die scheinbare Jesus-Biographie passt auch bei solchen Stellen zum alten Testament, wo man nachweisen kann, dass die historischen Rahmendaten nicht stimmen, wie beispielsweise bei den Silberlingen, die sich auf Sacharia 11,12. beziehen. Bei Matthäus steht übrigens für die 30 Silberlinge ein Bezug zu Jeremia, den man dort aber seltsamerweise nicht finden kann.

 

Also haben die Evangelisten nicht ausgehend von der realen Lebensgeschichte nach Hinweisen im alten Testament gesucht, sondern sie haben ganz eindeutig ausgehend vom alten Testament die scheinbare Biographie von Jesus verfasst.

 

Die nachfolgende Zusammenstellung ist sicherlich nicht komplett, aber sie macht schon deutlich, wie sehr sich die Evangelisten an das alte Testament gehalten haben.

 

Aussage über Jesus

Original im AT

Übernahme im NT

Nachkomme des Weibes

1. Mose 3, 15

Matthäus 1, 18; Galater 4, 4

Geboren von einer Jungfrau

Jesaja 7, 14

Matthäus 1, 22-23

Nachkomme Abrahams

1. Mose 12, 3.7; 17, 7

Galater 3, 16; Römer 9, 5.7

Aus dem Stamm Judas

1. Mose 49, 10

Hebräer 7, 14; Offenbarung 5, 5

Vom Hause Davids

2. Samuel 7, 12-13

Lukas 1, 31-33; Römer 1, 3

Soll in Bethlehem geboren werden

Micha 5, 1-3

Matthäus 2, 6; Lukas 2, 4.15

Soll "Immanuel" genannt werden

Jesaja 7, 14

Matthäus 1, 23

Aus Ägypten gerufen

Hosea 11, 1

Matthäus 2, 15

Vom Heiligen Geist gesalbt

Jesaja 11, 2-3; 61, 1

Lukas 3, 22; 4, 18; Johannes 3, 34

Sein Vorläufer

Jesaja 40, 3; Maleachi 3, 1

Matthäus 3, 1-3; Markus 1, 2-3

Er ist der ewige Sohn.

Psalm 2, 7-12

Matthäus 3, 17; Apostelgeschichte 8, 33

Er kommt ins Fleisch.

Jesaja 9, 6

Lukas 2, 12

Er ist der leidende Gottesknecht.

Jesaja 43, 1; 53, 3-12

Matthäus 12, 18; Philliper 2, 7

Er ist der Eckstein.

Psalm 118, 22

Matthäus 21, 42; Apostelgeschichte 4, 11; Epheser 2, 20

Er ist der Morgenstern.

4.Mose 24, 17

Offenbarung 22, 16

Er ist der Priesterkönig.

1.Mose 14, 18

Hebräer 7, 1.14-17

Er ist der große Hohepriester.

2.Mose 28, 1; Psalm 110, 4

(Hebräer 4, 14-15; 5, 5.10; 7,11-28

Er ist der große Prophet.

5.Mose 18, 18

Apostelgeschichte 3, 22

Er ist das Zepter.

4.Mose 24, 17

Offenbarung 19, 15

Er wird von den Heiden angebetet werden.

Jesaja 60, 3

Matthäus 2, 2

Er ist der Friedefürst.

Jesaja 9, 6

Epheser 2, 14-18

Er wird über die Nationen herrschen.

Psalm 2, 8

Offenbarung 2, 27

Er wird König über das Universum sein.

Sacharja 14, 9

Apostelgeschichte 2, 34.35

Er wird ein ewiges Königreich haben.

Daniel 2, 44; 4, 34; 7, 13-14.27

Lukas 1, 33; Hebräer 12, 28

Die Kennzeichen seines Dienstes

Jesaja 61, 1-2

Lukas 4, 16-19

Er wird in Jerusalem auf einem Esel als König einziehen.

Sacharja 9, 9

Johannes 12, 14-15

Er wird Wunder tun. - ()

Jesaja 35, 5-6

Matthäus 11, 4-5

Er wird die Heiden erleuchten.

Jesaja 43, 1.6-7

Lukas 2, 32; Apostelgeschichte 13, 47

Er wird die Heiden segnen.

Jesaja 11, 10

Römer 15, 9-12)

Er wird viel leiden müssen. -

Jesaja 53, 3

Hebräer 2, 18; 4, 15

Er wird verworfen werden.

Psalm 69, 8; Jesaja 53, 3

Johannes 1, 11; 7, 5

Er wird im Stich gelassen.

Sacharja 13, 7

Matthäus 26, 31

Er wird umgeben sein von Feinden.

Psalm 22, 7-8; Psalm 109, 25

Matthäus 27, 39-40; Markus 15, 29-30

Er wird bespien und gegeißelt werden.

Jesaja 1, 6; 50, 6

Matthäus 26, 67; 27, 26; Markus 14, 65

Man wird ihm Essig zu trinken geben.

Psalm 69, 22

Matthäus 27, 34.48)

Er wird von Nägeln durchbohrt werden.

Psalm 22, 16; Sacharja 12, 10

Lukas 23, 33; Johannes 20, 25.27

Er wird von Durst gequält sein.

Psalm 22, 16

Johannes 19, 28

Seine Kleider werden zerteilt.

Psalm 22, 19

Lukas 23, 34; Johannes 19, 23-24

Seine Gebeine werden nicht zerbrochen werden.

Psalm 34, 21

Johannes 19, 33-36

Er wird den Übeltätern gleichgerechnet werden.

Jesaja 53, 12

Markus 15, 28; Lukas 22, 37

Er wird von Gott verlassen werden.

Psalm 22, 2

Matthäus 27, 46

Er wird Gott seinen Geist übergeben.

Psalm 31, 5

Lukas 23, 46

Er wird bei den Reichen begraben werden.

Jesaja 53, 9

Matthäus 27, 57-60

Er wird auferweckt werden.

Psalm 16, 10-11

Apostelgeschichte 2, 27.31; 13, 33-35

Er wird zur Herrlichkeit auffahren.

Psalm 68, 18; Psalm 24, 7-10

Apostelgeschichte 1, 9; Epheser 4, 8

 

(Die Liste habe ich weitgehend übernommen von: http://www.way-truth-life.com/beitraege/jesus/messianische_prophezeiungen.html)


 

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