Was ist
Esoterik?
Teil 2
von
Elias Erdmann
http://www.klarerblick.de/forum/viewforum.php?f=37
Die Rolle
des Symbols Im Zusammenhang mit dem
esoterischen Textverständnis begegnen uns in der Literatur immer wieder die
Begriffe: Gleichnis, Sinnbild, Symbol, Allegorie und Metapher. Diese
verschiedenen Begriffe werden jedoch von unterschiedlichen Autoren nicht immer
in gleicher Weise voneinander abgegrenzt. So kann es passieren, das ein Autor
zwei Begriffe als Synonym verwendet, während ein anderer Autor gerade die
Unterschiedlichkeit der beiden Begriffe betont. Ein
Gleichnis ist eine Veranschaulichung mit Hilfe eines
Vergleichs. Ein
Sinnbild ist eine bildhafte Veranschaulichung einer abstrakte
Vorstellung. Ein Symbol (gr. sym
ballein = zusammenwerfen) ist ein Zeichen, das über sich hinaus auf etwas
anderes hinweist. Die Vorsilbe „Sym“ bedeutet
„zusammen“ und „bol“ ist sprachlich mit „Ball“ und „Bowling“ verwand und
bedeutet „geworfen“ (griech. ballein
= werfen). Ein Symbol ist etwas „zusammen geworfenes“. Man kann sich das
vorstellen wie die Schatzkatze im Wildwestfilm, wo zwei Leute eine Hälfte haben,
die aber erst dann komplett ist, wenn man beide Seiten zusammen wirft.
In der Antike war ein
Symbolon eine Art Siegel, das in zwei Teile gebrochen wurde. Man konnte die
Echtheit eines Teils erkennen, indem man es an die abgebrochene zweite Seite
legte. In diesem Sinne wurden die beiden Teile zusammen geworfen. So gibt es
eine Beziehung zwischen den beiden Teilen. Die eine Seite verweist auf die
andere. Die
Allegorie (gr.
allegorein = etwas anders sagen, bildlich reden) ist eine Personifizierung
oder Verdinglichung eines abstrakten Sachverhaltes. Eine
Metapher (gr. meta pherein = anderswo hintragen) ist
der Gebrauch eines Wortes im übertragenen Sinn. All diesen Begriffen ist
eines gemeinsam: Es wird etwas verwendet, um etwas anderes zu beschreiben und zu
veranschaulichen. Bei der esoterischen
Symbolik werden – wie bereits erwähnt - zumeist materielle Dingen und
menschliche Beziehungen verwendet, um Der Glaube vieler
Exoteriker basiert genau auf dieser Vorstellung. Sie interpretieren die
Geschichten der heiligen Texte in erster Linie als historische Ereignisse und
ihr Glaube basiert darauf, dass diese Dinge ganz real passiert sind. Für einen
Esoteriker spielt es hingegen keine Rolle, ob diese Dinge tatsächlich passiert
sind oder auch nicht. Es geht ihm nicht darum, was irgendwann mal vor 2000
Jahren in einem fernen Land passiert ist, sondern um das, was heute was IN IHM
passiert. Es geht ihm auch nicht primär darum, etwas über historische Ereignisse
zu erfahren, sondern etwas über die Wenn sich der Esoteriker
von der historischen Interpretation löst, so erscheint das dem Exoteriker wie
eine Reduzierung der Glaubensvorstellung auf das Symbolische. Ganz
selbstverständlich und automatisch setzt der Exoteriker daher auch immer wieder
das Wörtchen „nur“ vor die „Symbolik“. Es ist ja für ihn „nur Symbolik“ und
nichts Wirkliches, was sich auch tatsächlich ereignet hat. Das symbolisch
Interpretierte wird im Gegensatz zur historischen Interpretation als unwirklich
und damit als weniger wertvoll empfunden. So erscheint die symbolische
Interpretation aus exoterischer Sicht wie eine Abwertung der
Glaubensvorstellungen. Während diese Abwertung wahrgenommen wird, ist für den
Exoteriker nicht erkennbar, welchen Gewinn er vom esoterischen Textverständnis
hat. Für den Esoteriker wird
hingegen das Festhalten an den rein historischen und wörtlichen Interpretationen
als eine Reduzierung empfunden, weil dann ja das Geistige verschlossen bleibt,
das in den Geschichten symbolisch verpackt ist. Diese Perspektive kann man
natürlich erst haben, wenn man den Wert von dem bereits erkannt hat, was man
durch die symbolische Sichtweise gewinnen kann. Der unmittelbare Gewinn
beim symbolischen Textverständnis ist zunächst die Symbolsprache selbst. Das ist
so ähnlich, als ob man eine Fremdsprache lernt. Durch die Kenntnis einer
Fremdsprache wird man zwar nicht allwissend, aber man kann sehr viel mehr
Information nutzen. Man kann z.B. Bücher und Hinweisschilder lesen, die in
dieser Sprache geschrieben sind und man kann Leute verstehen, die in diese
Sprache zu uns sprechen. Und es gibt noch sehr viele andere Möglichkeiten, die wiederum darauf
aufbauen. Die Symbolsprache eröffnet
uns einerseits den Zugang zum „esoterischen Wissen“, das in vielen heiligen
Schriften verpackt ist und andererseits auch zu dem „inneren Wissen“, das in uns
begraben ist. Das ist ein wechselseitiger Prozess: Die Symbolssprache der
heiligen Texte sensibilisiert uns für die Bildersprache unserer Seele und die
Symbolik der inneren Bilder sensibilisiert uns für die symbolisch verpackte
Wissen in den heiligen Texten. Schritt für Schritt lernen
wir damit einen höheren Seelenanteil von uns kennen und es entsteht der
subjektive Eindruck, als würde dieser Seelenanteil erwachen – so also wäre er
„tot“ gewesen und wäre jetzt wieder erweckt. Das ist der nächste Gewinn auf
diesem Weg: die „innere Auferstehung“. Bei den Themen Tod und
Auferstehung geht es also beim esoterischen Textverständnis nicht um Ereignisse,
die vor 2000 Jahren stattgefunden haben, sondern es hat etwas mit uns zu. Die
„Auferstehung“ kann heute IN UNS stattfinden. Die Symbolik von „Tod und
Auferstehung“ begegnet uns übrigens nicht nur im Christentum, sondern in ganz
vielen antiken Mythen (z.B. Osiris-Mythos). Selbst in unseren deutschen
Volksmärchen finden wir dieses Motiv wieder. So erleben auch Schneewittchen
und Dornröschen eine
Auferstehung. Mit diesen Hinweisen wird
auch der Anfang des Thomas-Evangeliums verständlich: Wer die Erklärung dieser
Worte findet, wird den Tod nicht schmecken. Wer diese ganz spezielle
„Sprache“ wiederentdeckt hat, in der dieses Evangelium geschrieben wurde, der
hat diesen „Tod“ überwunden. Der Begriff „Tod“ wird hier
etwas anders interpretiert, als wir ihn umgangssprachlich verwenden. Es geht
hier nicht um einen Tod des Körpers im medizinischen Sinn, sondern um den „Tod“
und um die „Auferstehung“ des höheren Seelenanteils, die in uns „begraben“
ist. Über diese Auferstehung
bekommen wir Zugang zu einer Lk 17,20 Das Reich Gottes
kommt nicht so, dass man's beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe,
hier ist es! Oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter
euch. Auch beim Kommen von Reich
Gottes handelt es sich also um einen „inneren Prozess“. Man findet durchaus Bücher,
wo Märchen, Mythen und biblische Texte symbolisch gedeutet werden. Häufig wird
dabei jedoch die Symbolik psychologisch gedeutet und nicht esoterisch – auch
dann, wenn die Bücher zum Teil unter dem Schlagwort „Esoterik“ vermarktet
werden. Manchmal vermischen sich auch beide Deutungen. Die psychologische
Deutung hat durchaus ihre Berechtigung und sie kann uns darüber hinaus auch für
die Symbolik der Märchen sensibilisieren. Die esoterische Deutung geht jedoch
noch eine Stufe weiter. In Analogie zum dreifachen
Schriftsinn gibt es: 1.
das wörtliche
Textverständnis 2.
das psychologische
Textverständnis 3.
das esoterische
Textverständnis Würde man beispielsweise
das Gleichnis vom „verlorenen Sohn“
psychologisch interpretieren, so könnte man darin eine Selbstfindungs- oder
Selbstbehauptungs-Phase sehen, wie sie jeder Mensch im Laufe seines Lebens
mehrfach erlebt. Wenn man diese Geschichte
jedoch esoterisch interpretiert, so geht es hierbei um ein Gleichnis für die
Seelen, die sich vom Göttlichen lösen, um in der materiellen Welt zu
reifen. Und so können wir durchaus
auch in den Selbstfindungs- oder Selbstbehauptungs-Phasen unseres Lebens ein
Gleichnis sehen für einen noch sehr viel weitreichenderen und langfristigeren
Entwicklungs-Prozess. Die
wichtigsten Symbole Viele esoterische Symbole
beziehen sich -
auf den dreischichtigen
Aufbau der Schöpfung (in -
auf den zyklischen Weg der
Seele durch diese Schichten -
auf den dreischichtigen
Aufbau des Menschen (nach dem Ebenbild der Schöpfung) -
auf das Analogie-Prinzip
(Wie im Großen so im Kleinen) -
auf die Tatsache, das die
Welt der „Schatten“ (oder das Spiegelbild) eines -
auf den zweistufigen
Abstieg (= zweifacher Tod) von der -
auf die Überwindung dieses
„Todes“ und den anschließenden Wiederaufstieg -
auf die Gründe, warum sich
der Mensch vom Göttlichen trennen muss bzw. getrennt hat -
auf die Gründe, warum die
-
auf die Methoden, wie man
die Trennung überwinden kann -
auf das Prinzip von Aussaat
und Ernte (wie der Geist an der Materie wächst) -
auf die Vier-Elemente-Lehre
(Feuer, Luft, Wasser, Erde) Es geht dabei um Antworten
auf die ganz elementaren Grundfragen des Lebens: Woher komme ich? Wohin gehe
ich? Warum bin ich hier? Das esoterische Wissen ist
„verhüllt“ und so gibt es viele Symbole, die auf diesen Sachverhalt hinweisen.
Wir hatten bereits das Beispiel mit der „Decke“ von Moses. Auch ein
„Gewand“, ein „Schleier“ oder von „Vorhang“ kann diese
Bedeutung haben. Entsprechend gibt es auch
viele Symbole, wo es um die Entfernung der „Hülle“ geht. Die Schlange,
die sich ja bekanntlich „häutet“, ist in der Esoterik im Gegensatz zum heutigen
Volksglauben ein zumeist positiv besetztes Weisheits-Symbol, da sie „enthüllen“
kann. (Auch die Haut der Schlange ist eine Hülle). Bei der „Beschneidung“
entfernt man ein Stück von der „Hülle“ die den Penis umgibt und somit erscheint
die zeugende Kraft „unverhüllt“. Wenn es in der Kreuzigungs-Szene heißt „Mt
27,51 Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis
unten aus.“, so ist auch das eine „Enthüllung“. Wenn uns in esoterischen
Texten die Polarität von Mann und Frau begegnet, so kann das abhängig vom
Kontext unterschiedliche Bedeutung haben. Da wäre zunächst die
Geist-Materie-Polarität. Das Zum Teil finden wir in der
Symbolik auch eine Unterscheidung von Mutter und Stiefmutter/Nährmutter,
da sowohl das Seelische als auch das Materielle weiblich symbolisiert wird und
so gibt es neben dem Vater (=Geist) zwei Frauen (= Seele und
Materie). Bei den Smaragdtafeln des Hermes
Trismegistos finden wir beispielsweise folgende
Zeilen: Sein Vater ist die Sonne, seine Mutter
der Mond. Der Wind hat es in seinem
Bauch getragen. Seine Ernährerin ist die Erde. Männlich und weiblich kann
aber auch für Vernunftsseele und Empfindungsseele stehen, besonders dann, wenn
von Bruder und Schwester die Rede ist. Und wenn im Märchen der
Königssohn das schlafende Dornröschen
erweckt, so steht der Königssohn für den Menschen, der sich seiner
Geist und Materie stehen
auf unterschiedliche Weise miteinander in Beziehung: Bei der Schöpfung werden
Bei Schöpfungsprozessen
steht am Anfang eine Wasser ist schon etwas „dichter“
als Luft. Der Weg in die materielle Welt führt durch die Ebene des „Wassers“.
Die Ideen entwickeln sich, ebenso wie ein Same, der mit Wasser begossen wird.
Weiterhin steht Wasser auch für die Zeit. In der Antike gab es Wasseruhren und
so sagt man noch heute, dass die Zeit „verrinnt“. Darüber hinaus wirkt Wasser auch wie ein
Spiegel. Und dann ist Wasser auch noch ein Symbol für
Emotionen. In der materiellen Welt
wird schließlich die Idee realisiert. Nun ist sie greifbar und erlebbar. Diese
Ebene der Schöpfung wird durch „Erde“ symbolisiert. An der Erde zeigt
sich, was die Ideen taugen und wo die Fehler liegen. So wird die Materie zum
„Prüfer“ für unsere Ideen. Satan als personifizierter Herr der Materie ist der
„Prüfer“ der Menschen. Er deckt unsere Schwächen auf.
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