Die Elias-Methode

von Elias Erdmann

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Das Ziel dieser Seite

 

Diese Seite beschreibt eine Methode, wie man über die Symbolsprache der Märchen, Mythen, biblischen Texte und Träume Zugang zum „inneren Wissen“ erhalten kann bzw. zu dem „höheren Seelenanteil“, der über dieses „innere Wissen“ verfügt. Wenn man diesen Zugang bekommt, dann hat man subjektiv das Empfinden, als würde dieser „höhere Seelenanteil“ in einem erwachen. Tatsächlich erwacht dieser Seelenanteil aber nicht wirklich in diesem Moment, denn eigentlich war er schon immer wach. Was hier erwacht, das ist unser Bewusstsein für diesen Seelenanteil.

 

Diese Methode ist keine theoretische Spekulation darüber, wie denn vielleicht wäre, wenn man es täte, sondern sie basiert komplett und in allen Punkten auf eigenen Erfahrungen. Diese Zusammenfassung ist nun der erste Versuch, die wichtigsten Zusammenhänge, Grundlagen, Effekte, Risiken, Möglichkeiten und Probleme als Ganzes darzustellen, so dass die Methode auch für andere Menschen nachvollziehbar und anwendbar wird. Mit der Zeit soll diese Seite immer mehr ausgebaut werden. Dafür ist es für mich aber ganz wichtig zu erfahren, wo es noch Schwierigkeiten beim Verständnis und bei der praktischen Umsetzung gibt. Sicherlich gibt es vieles, was ich selbst ganz unbewusst und selbstverständlich mache und was ich daher hier nicht exakt genug beschreibe.

 

Gleichzeitig bin ich natürlich auch bemüht, diese Seite einigermaßen kompakt zu halten. Gerade was die allgemeine Theorie und was die Grundlagen betrifft, verweise ich deshalb auf die anderen Texte in der Textsammlung und in der Themensammlung des Forums.

 

Wer sich schon mit esoterischen Themen beschäftigt hat, wird bei der hier beschriebenen Methode sicherlich einiges wiedererkennen. Die Methode ist nämlich nicht wirklich neu. Sie ist nur im Laufe der Jahrhunderte etwas in Vergessenheit geraten und wurde nach und nach von allerlei anderen Dinge verschüttet und überwucht, so dass man heute eigentlich nur noch Fragmente und Ruinen dieser alten Methode finden kann. Selbst von diesen Bruchstücken geht noch immer eine enorme Faszination aus – aber sie funktionieren leider nicht mehr so richtig.

 

Neu an dieser Rekonstruktion ist nur, dass die Fragmente nun wieder zu einem funktionsfähigen Ganzen zusammen gesetzt sind. Ich kann zwar nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob es dieses „funktionsfähige Ganze“ in der hier dargestellten Form wirklich so in der Antike gab. Aber es lässt sich nachweisen, dass viele Teile dieser Methode in der Antike angewendet wurden und aus der eigenen Erfahrung kann ich bestätigen, dass sie im Zusammenspiel tatsächlich funktionieren.

 

Es ist etwa so wie bei der „experimentellen Archäologie“, wo Forscher ausprobieren, auf welche Probleme und Lösungen man kommt, wenn man mal versucht, mit den alten Werkzeugen zu arbeiten. Man weiß zwar hinterher, wie man die Werkzeuge anwenden muss, damit sie funktionieren, aber man weiß trotzdem nicht, ob die Werkzeuge damals tatsächlich auch exakt so benutzt wurden.

 

Der Nutzen dieser Methode

 

Was hat man nun davon, wenn man diese Methode praktiziert?

 

Das ist eine Grundsatzfrage, die man prinzipiell für fast jede Form von Religion anwenden kann.  Es liegt im Wesen des Menschen, dass er nach dem Sinn des Lebens fragt, nach richtig und falsch, nach dem eigenen Ursprung und nach dem, was nach dem Tod passiert.

 

Die üblichen Religionen geben uns zwar durchaus Antworten auf diese Fragen, aber sie geben uns leider auch sehr unterschiedliche und widersprüchliche Antworten. Und diese Aussagen können wir nun glauben oder auch nicht. Der einzige Grund für die Richtigkeit einer Aussage ist letztendlich immer nur die Autorität des Propheten, des Papstes, des Gurus, des Erleuchteten, des Gottessohns ... oder wie der Alleinwissende auch immer heißen mag. Der hat´s gesagt, also stimmt´s.

 

Bei dieser Methode geht es im Gegensatz dazu um eine Sensibilisierung für die Symbolsprache, über die sich das „innere Wissen“ in jedem offenbart. Wer diese Sprache versteht, der braucht keine fremde Autorität mehr als Vermittler, sondern hat selbst einen direkten Zugang zu diesem Wissen.

 

Es geht nicht mehr um die Vermittlung des Wissens, sondern um die Vermittlung der Methode, wie man selbst Zugang zum „innern Wissen“ bekommen kann. Das „innere Wissen“ ist dann auch nicht mehr eine Frage des Glaubens, sondern basiert auf eigener Erkenntnis.

 

Zu Risiken und Nebenwirkungen ...

 

Wer mit der hier dargestellten Methode experimentiert, tut dieses komplett auf eigenes Risiko.

 

Man bekommt mit dieser Methode einerseits Zugang zu einem „inneren Wissen“, das in uns begraben liegt und andererseits auch zu einem „esoterisches Wissen“, das in den heiligen Schriften symbolisch verpackt ist.  Beide Themen treten in Wechselwirkung miteinander und verstärken sich dadurch gegenseitig. Der Zugang zum „inneren Wissen“ sensibilisiert uns für die Symbolik der esoterischen Texte und die Symbolik der esoterischen Texte sensibilisiert uns wiederum für die Symbolsprache der inneren Bilder. Das kann für eine gewisse Zeit zu einer starken Informationsüberflutung führen, weil plötzlich sehr viele Informationen zugänglich werden, die wir eigentlich schon lange haben – die wir aber bislang noch nicht nutzen konnten, weil sie symbolisch „verpackt“ waren.

 

Als diese Wechselwirkung bei mir einsetzte, hatte ich mich vorher schon etwa 20 Jahre lang mit esoterischen und religiösen Themen beschäftigt. In all den Jahren hatte ich sehr viel Information angesammelt und stand schließlich vor einem Sammelsurium unterschiedlicher und zum Teil sogar widersprüchlicher Lehren. Die scheinbare Widersprüchlichkeit ergab sich hauptsächlich dadurch, weil die gleiche Wahrheit von den verschiedenen Traditionen immer wieder unterschiedlich „verpackt“ wurde. Die diversen Lehren unterscheiden sich daher „äußerlich“, obwohl es im Kern fast immer um die gleiche Sache geht.

 

Als ich den Weg durch das Gestrüpp der Symbole fand und die Methode begriff, wie man den „verborgenen Kern“ freilegen kann, setzte eine Art Kettenreaktion ein. An dieser Kettenreaktion waren bei mir hauptsächlich folgende Themengebiete beteiligt: das Dreifachkreuz, die Bibel (Genesis, Moses, Jesus, ...), verschiedene Mythen (Atlantis, Oedipus, ...), Märchen (Dornröschen, Frau Holle, ...), esoterische und philosophische Schriften (Smaragdtafeln, Höhlengleichnis, ...) , Fantasy-Filme, neuzeitliche Prophezeiungen und auch eigene „innere Bilder“, die ich bis zu diesem Zeitpunkt zum Teil als Zukunftsvisionen fehlinterpretiert hatte.

 

Mit „innere Bilder“ meine ich

-         Traummotive

-         Bilder, die in Momenten der Ruhe auftauchen

-         „Phantasiebilder“, die mitunter spontan kommen

-         Szenen in Fantasy-Filmen, auf die ich emotional stark reagiere

 

Sobald eine Idee auf ein Thema stieß, wurde dadurch eine weitere Information freigesetzt, die wiederum auf andere Themen stieß und dort wiederum neue Informationen freisetzte.

 

Üblicherweise wirken die „esoterischen Verhüllungen“ sehr dämpfend und durch falsche Vorstellungen und durch eine verdrehte Symbolik werden so viele Ideen abgelenkt, dass die Ideen zumeist ohne Wirkung verpuffen. Wenn nun einerseits die Verhüllungen wegfallen und wenn eine korrigierte Symbolik die Ideen nicht mehr so stark ablenkt, dann setzt die Kettenreaktion ein - ähnlich wie bei einem Kernkraftwerk, wo der Prozess auch einsetzt, sobald die dämpfenden Graphitstäbe entfernt sind.

 

Die Kettenreaktion war bei mir im ersten Jahr extrem heftig, so dass ich mich in dieser Zeit kaum auf etwas anderes konzentrieren konnte. Ständig schoss irgendein Gedanke durch den Kopf und setzte irgendeine neue Idee frei. Zum Teil blieb mir gar nichts anderes übrig, als die Kettenreaktion mit etwas Bier zu dämpfen.

 

Inzwischen sind 2 weitere Jahre vergangen (Stand 2004). Die Quelle sprudelt noch immer, aber der Prozess ist nun weniger heftig und inzwischen auch deutlich besser kontrollierbar.

 

Die Kettenreaktion war vermutlich in meinem Fall deshalb so heftig, weil sehr viel „aufgestaute und blockierte Information“ vorlag. Es ist also keinesfalls gesagt, dass diese Reaktion in anderen Fällen auch so heftig abläuft.

 

Ein anderes Problem ist, dass man zum Teil nur sehr schwer unterscheiden kann, was nun tatsächlich „inneres Wissen“ ist und was einfach nur anerzogene Vorurteile sind.

 

Dadurch ist es auch schon beim Einstieg absolut notwendig, die eigenen Vorstellungen und Vorurteile sehr konsequent zu hinterfragen. Bei mir hatte das Manuskript „Methoden der Manipulation“ diese Wirkung, obwohl ich diesen Effekt ursprünglich eigentlich gar nicht geplant hatte. Indem ich mich mit der Fremdbeeinflussung beschäftigte, fing ich gleichzeitig auch an, meine eigenen Meinungen zu überprüfen.

 

Wir müssen tatsächlich wieder werden wie die Kinder und manche „selbstverständlichen“ Dinge wieder neu bewerten und neu lernen.

 

Wenn jemand eine ganz bestimmte Weltsicht hat, nur weil zufällig die Eltern oder die Freunde auch schon diese Weltsicht hatten und weil man eigentlich nie eine andere Weltsicht kennen gelernt hat, dann sollte man zunächst lernen, diese anerzogenen Vorstellungen kritisch zu hinterfragen, denn sonst wird man nie auf das „innere Wissen“ stoßen, sondern immer nur auf Echos der anerzogenen „Vorstellungen“.

 

Man muss zunächst im „übertragenen Sinne“ die Heimat verlassen und auf die Wanderschaft gehen, so dass man einige andern Vorstellungen und Argumente kennen lernt.

 

Weiterhin möchte ich an dieser Stelle auch noch auf folgendes Problem hinweisen: Oftmals spüren wir unser „inneres Wissen“, wenn es in ganz bestimmten Situationen ein starkes Bingo!-Gefühl auslöst. („Bingo! Genau das ist es“). Das kann z.B. passieren, wenn wir ein Buch lesen, über eine Sache diskutieren oder einen Film anschauen.  Natürlich kommt die relevante Information nie isoliert vor, sondern immer in irgendeinem Zusammenhang und darüber hinaus ist die Information oftmals auch noch symbolisch verfremdet. So kann der subjektive Eindruck entstehen, dass sich das Bingo!-Gefühl auf den ganzen Zusammenhang bezieht, obwohl es sich eigentlich nur auf einen Aspekt bezieht, den man mitunter auch nicht wörtlich interpretieren sollte, sondern symbolisch.

 

Wenn man diese Effekte nicht berücksichtigt, dann kann es passieren, dass man durch das Bingo!-Gefühl auf die falsche Fährte gesetzt wird. 

 

Wenn das „innere Wissen“ in uns freigesetzt wird, dann wird es dabei immer eine gewisse Fehlerquote geben. Das liegt an den bereits erwähnten Überlagerungen und Unschärfen, aber oftmals auch an missverstandener Symbolik. Daher ist nach jedem Freisetzungsprozess eine gewisse Erprobung, Überarbeitung und Kontrolle notwendig. Während die Freisetzung eher ein emotionaler, intuitiver und spontaner Prozess ist,  ist diese nachfolgende Phase sehr viel rationaler, langwieriger und mühsamer.

 

Die Kunst liegt in der richtigen Abstimmung zwischen beiden Prozessen. Menschen, die eher emotional und intuitiv sind, können sich dabei sehr schnell in absolut irrealen Phantasiewelten verlaufen. Reine Rationalisten würgen hingegen zumeist die Intuition vollkommen ab.

 

Als groben Richtwert würde ich die Aussage von Edison empfehlen: „1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpirationoder wie die Bibel schreibt „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“. Ich weiß – viele würden sich gerne diese Phase ersparen. Aber rein intuitiv erworbenes Wissen kann niemals sicheres und „belastbares“ Wissen werden. Erst durch die Erprobung und Kontrolle kann es zu einer stabilen Grundlage werden, auf der man später aufbauen kann. Gerade wenn man sich mit spirituellen Themen beschäftigt ist eine „gute Erdung“ eine absolute Grundvoraussetzung. Wenn ein Baum in die Lüfte wachen will, braucht er gute Wurzeln. Nur zum intuitiven Wissenserwerb sind wir übrigens auch nicht in die materielle Welt geschickt worden.

 

Bei jeder Kontrolle stellt sich natürlich die Frage: Was ist unsere Messlatte? Eine falsche Messlatte kann nämlich zur Folge haben, das man richtige Informationen für falsch hält und aussortiert. Dann geht es einem wie den Theologen und Schriftgelehrten, die sich den Weg zum „inneren Wissen“ mit Tausenden Dogmen und Katechismusparagraphen regelrecht zugemauert haben. Im Zweifelsfall sollte man den tatsächlichen (Lebens-)Erfahrungen den Vorrang geben, auch wenn sie eventuell hier und da mal mit den Dogmen kollidieren.

 

Wie die Kontrolle im konkreten Fall aussieht, hängt jeweils von der Situation ab. Wenn wir z.B. den Eindruck haben, eine bestimmte Stelle eines Buchs verstanden zu haben, dann lohnt es sich, die Stelle nochmals nachzulesen, ob die Interpretation auch wirklich auf den Text anwendbar ist. Es kann nämlich auch sein, dass die Interpretation nur zu unserer Erinnerung des Textes passt – aber nicht zum Text selbst. Wenn wir das Gefühl haben, dass ein Symbol eine bestimmte Bedeutung haben könnte, dann lohnt es sich durchaus, einfach mal den Namen des Symbols und die Bedeutung in eine Internet-Suchmaschine einzugeben. Wenn Wissen aus vergangenen Jahrhunderten ans Bewusstsein gespült wird, dann ist es sinnvoll, die historischen Fakten zu überprüfen. Wenn es um eine bestimmte Idee, Funktionsweise oder Technik geht, sollte man sie tatsächlich zunächst ausformulieren, durchplanen und wenn sie realisierbar erscheint, auch ausprobieren. u.s.w.

 

Ich habe übrigens schon mehrfach erlebt, das bei mir der Kontrollprozess durch einen äußeren Eingriff „abgekürzt“ wurde, indem ich durch irgendwelche seltsamen „Zufälle“ regelrecht über die relevante Information stolperte. Es ist fast so, als ob eine höhere Instanz mir sagen will: „Das was du in den letzten Wochen mühevoll rausgetüftelt hat, das kannst Du hier jetzt nachlesen“.

 

Die Überarbeitung ist jedoch nicht nur ein rationaler Prozess. Unser „inneres Wissen“ reagiert nämlich auch dann, wenn wir eigene Texte lesen und diese Reaktionen sollte man natürlich auch bei der Überarbeitung nutzen. Interessanterweise gibt es dabei auch noch den Effekt, dass wir manche Unstimmigkeiten und Fehler alleine schon dadurch erkennen, indem ein anderer über unseren Text schaut – selbst dann, wenn er absolut nichts zu uns sagt. Alleine schon durch die Fokussierung eines zweiten Bewusstseins auf das Thema können wir manche Fehler erkennen.

 

Ein Vergleich mit der Psychoanalyse

 

Die Methodik ähnelt in vielen Punkten auch der klassischen Psychoanalyse mit Traumdeutung und mit Assoziationen zu den Traummotiven. Es geht jedoch um eine andere Symbolik, die sich auf andere Inhalte bezieht und durch die man letztendlich auch einen anderen Bereich zugänglich macht.

 

Die Symbolik der psychologischen Traumdeutung bezieht sich primär auf Alltagserfahrungen: auf  Probleme, Ängste, Wünsche, Kränkungen, ... Es sind alles Dinge, die wir prinzipiell kennen und die wir dadurch auch noch relativ leicht wiedererkennen können, auch wenn sie uns im Traum in einer symbolisch verfremdeten Form begegnen.

  

Das Gleichnis vom Spiegel-Mosaik

 

Der Traum ist aus psychologischer Sicht wie ein Spiegel-Mosaik, das die uns bekannte Wirklichkeit in etwas veränderter Form wiedergibt. Ein Teil des Spiegelmosaiks ist farbig und es färbt dadurch die Fahrnehmung etwas ein. Ein anderes Teil sitzt etwas schief und so zeigt es uns dadurch etwas in einem anderen Zusammenhang. Ein weiteres Teil ist etwas gewölbt und so erscheint ein Detail größer u.s.w.

 

Sicher kennt jeder den Effekt, wenn man abends bei der Dämmerung schon die Zimmerbeleuchtung anhat und wenn sich die Zimmereinrichtung dann in der Fensterscheibe spiegelt. Gleichzeitig kann man jedoch durch das Fester auch noch die Landschaft erkennen, die außerhalb des Zimmers ist. Die Fensterscheibe ist in diesem Moment wie ein „halbdurchlässiger Spiegel“.

 

Das erwähnte innere Spiegel-Mosaik unserer Träume hat nun eine ähnliche Eigenschaft.  Es wirft uns zum Teil eine verfremdetes Abbild unserer Alltagserfahrungen zurück, aber man kann zum Teil auch durch die spiegelnden Flächen hindurch schauen und eine andere, uns unbekannte Wirklichkeit erkennen, die durch das Spiegel-Mosaik auf eine sehr ähnliche Weise verfremdet wird. Während sich nun die Psychoanalyse mit dem Spiegelbild des Zimmers beschäftigt, geht es bei der Esoterik um die Dinge, die wir auf der anderen Seite des Spiegels erkennen können. Da das Spiegel-Mosaik beide Informationen auf ähnliche Weise verfremdet, können wir sowohl bei der Psychoanalyse als auch in der Esoterik sehr ähnliche Methoden anwenden. Wir schauen in beiden Fällen in die gleiche Richtung und verwenden eine ähnliche Art der symbolischen Interpretation, fokussieren aber eine andere Ebene. Dabei sehen wir nicht die Dinge unseres Zimmers, sondern andere, uns unbekannte Dinge, die sich auf der andern Seite des Spiegel-Mosaiks befinden. Wenn wir nun gelernt haben, im Spiegel-Mosaik nur die Dinge unseres Zimmers wiederzuerkennen, dann werden uns diese anderen Dinge etwas fremd vorkommen. Die üblichen Interpretationen passen hierbei nicht so richtig – einfach deshalb, weil wir hier andere Dinge sehen.

 

Während es noch relativ einfach ist, die symbolisch verfremdeten Alltagserfahrungen im Traum wieder zuerkennen (also die Dinge aus unserem Zimmer), ist der Sachverhalt nun bei dieses anderen Dingen deutlich komplizierter, denn es handelt sich um die symbolisch verfremdeten Abbilder einer uns unbekannten, geistigen Welt.

 

Die verfremdeten Motive begegnen uns nun nicht nur in Träumen, sondern auch in Momenten der Stille, in den Bildern unserer Phantasie und mitunter auch in ekstatischen Visionen. Manchmal ist es aber auch die Bilderwelt der Märchen und Fantasyfilme, die uns ganz tief anspricht und die uns damit diese innere Bilderwelt bewusst macht.

 

Irgendwann früher oder später macht man die Erfahrung: Wenn man im Zimmer das Licht ausknipst, dann sieht man deutlich mehr von dem, was auf der anderen Seite des Spiegel-Mosaiks ist.

 

Wenn man also beispielsweise in der Meditation oder in Halbschlafzuständen innerlicht still und gelassen wird, dann spiegelt sich weniger von unseren Gedanken im inneren Spiegel und man sieht deutlich besser, was auf der anderen Seite ist. Doch wenn wir dann etwas entdeckt haben und unsere Gedanken wieder einschalten bzw. das innere Licht wieder anknipsen um genauer nachzuschauen, dann ist das andere Bild ruckzuck wieder weg. Weiterhin ist das Bild auch im Zustand der inneren Ruhe noch immer symbolisch verfremdet und die Dinge der geistigen Welt sind uns noch immer unbekannt. 

 

So können wir im Zustand der Meditation zwar durchaus interessante Erfahrungen mit der geistigen Wirklichkeit sammeln, aber wir können – wenn wir nur diese eine Methode isoliert betreiben - nicht wirklich verstehen und beschreiben, was wir da gesehen haben.

 

Man kann die andere Seite auch dadurch besser erkennen, wenn man sehr genau weiß, welche Spiegelungen nun konkret aus unserem Zimmer kommen, welche der Motive wir also sinnvollerweise im Sinne der Psychoanalyse interpretieren sollten. Sonst könnte es uns passieren, dass wir zwar glauben, wir würden durch den Spiegel hindurch schauen, aber in Wirklichkeit sehen wir nur eine Verfremdung unserer eigenen Ängste und Vorurteile.

 

Selbsterkenntnis und eine absolute Ehrlichkeit gegenüber sicht selbst sind dafür die notwendigen Voraussetzungen. Je mehr wir von unser wahren Natur verdrängen, um so weniger davon können wir im Spiegel wiedererkennen.

 

Wenn es einem mal gelingt ein kleines Teil der anderen Wirklichkeit zu verstehen, dann gibt es ein weiteres Problem: Wie teilt man das mit? Unsere ganze Sprache bezeiht sich nur auf sie Dinge, die auf unserer Seite des Spiegels vorhanden sind. Für die Dinge auf der anderen Seite des Spiegels haben wir gar keine passenden Begriffe. Man kann bestenfalls Gleichnisse und Symbole benutzen, um den Sachverhalt so halbwegs passend zu umschreiben. Aber jeder Vergleich hinkt natürlich irgendwo. Man nimmt also etwas aus der Welt vor dem Spiegel, um damit etwas von dem bildhaft zu veranschaulichen, was sich auf der anderen Seite des Spiegels befindet. Das kann natürlich von Zuhörer dahingehend missverstanden werden, dass jemand glaubt, dass wir tatsächlich nur von den Dingen sprechen, die auf unserer Seite des Spiegels sind. Wenn in der Schilderung auch noch auf die typischen symbolischen Verfremdungseffekte eingegangen wird, die sich durch das Spiegel-Mosaik ergeben, dann kann eine solche Schilderung dazu beiragen, dass der Zuhörer für die Dinge auf der anderen Seite des Spiegels sensibilisiert wird. Durch eine solche Sensibilisierung kann man wiederum mehr von dem erkennen, was auf der anderen Seite des Spiegels ist. Durch die symbolische Beschreibungsform hat man darüber hinaus auch selbst wieder die Möglichkeit, das in Worte zu fassen, was man auf der anderen Seite erkennen konnte. 

 

In den heiligen Schriften gibt es übrigens sehr viele Geschichten, wo irdische Ereignisse verwendet werden, um geistige Zusammenhänge gleichnishaft zu umschreiben. Nur leider wird nicht immer eindeutig darauf hingewiesen und so gibt es immer wieder Missverständnisse. Es war bei diesen heiligen Schriften sehr häufig nicht das primäre Ziel, die irdischen Ereignisse hundertprozentig genau zu beschreiben, sondern es ging zumeist darum, die geistigen Zusammenhänge in ihrer gleichnishaften Umschreibung möglichst exakt darzustellen. Und so gehen die heiligen Schriften mitunter recht großzügig mit den historischen Tatsachen um.  

 

Wenn wir nun esoterisch/symbolisch an diese heiligen Schriften rangehen, kann es passieren, dass man dadurch für die Dinge auf der anderen Seite des Spiegels sensibilisiert wird. Und wenn man etwas auf der anderen Seite des Spiegels erkennt, so sensibilisiert einen das wiederum für die symbolisch verfremdeten Botschaften in den heiligen Schriften.

 

Wenn man falsche Vorstellungen von diesen Texten hat und wenn man sie deshalb rein historisch interpretiert und das Unhistorische einfach wegstreicht, dann bleibt natürlich von dieser Sensibilisierung kaum etwas übrig. Das passiert auch, wenn man die Symbolik durch andere Bedeutungen überlagert. Dann sensibilisieren uns die heiligen Schriften nicht mehr für die andere Wirklichkeit, sondern sie machen uns sogar regelrecht blind dafür.

 

Mitunter kann es auch passieren, dass man an den Dingen, die auf unserer Seite des Spiegels liegen, eine bestimmte Erfahrung macht, die nun im übertragenen Sinne auch für die Dinge gilt, die auf der anderen Seite des Spiegels sind. Dann kann man später diese irdische Erfahrung auch als ein Gleichnis verwenden, um die Zusammenhänge der geistigen Welt zu umschreiben. Je mehr abstrakte und geistige Prinzipien wir an den Dingen dieser Welt begriffen haben und je mehr wir in der Lage sind diese Prinzipien zu beschreiben, um so eher sind wir in er Lage, diese Prinzipien auch in der geistigen Welt wiederzuerkennen.  

 

Der Helfer auf der anderen Seite

 

Was bislang dargestellt wurde, das ist die Sichtweise unseres Tagesbewusstsein, das mühsam versucht, einen Blick auf die andere Seite des Spiegels zu werfen. Aber auf der anderen Seite des Spiegels steht noch ein anderer Teil von uns, der uns im Rahmen seiner Möglichkeiten hilft. Durch das Spiegel-Mosaik können wir ihn aber leider nur sehr undeutlich erkennen und aus unterschiedlichen Gründen kann uns dieser Helfer auch nur sehr wenige Fakten vermitteln.  Aber er kann unsere Emotionen zum Teil sehr präzise beeinflussen und so kann er uns wertvolle „Impulse“ geben. Und über diese emotionalen Impulse kann er uns auf Fakten hinweisen.

 

Er kann uns beispielsweise ein Bingo!-Gefühl vermitteln, wenn wir uns mit einer wichtigen Sache beschäftigen und er kann ebenso auch einen inneren Aufschrei veranlassen, um uns auf einen Fehler hinzuweisen.

 

Die Art und die Qualität der Information, die er uns auf diese Weise vermitteln kann, hängt natürlich ganz stark davon ab, womit wir uns konkret beschäftigen. Bei einem ganz banalen Thema ist es für ihn kaum möglich, uns mit einem gezielten Impuls auf einen komplexen Sachverhalt hinzuweisen. Wir müssen ihm schon etwas anbieten, dass er auf etwas reagieren kann.

 

Aber nicht nur der freundliche Helfer auf der anderen Seite des Spiegels löst emotionale Reaktionen bei uns aus, sondern auch unsere anerzogenen Vorurteile und Ängste wirken entsprechend.  Es ist wieder das gleiche Problem mit der halbdurchlässigen Spiegelfläche. Die steuernden Emotionen von unserem Helfer werden von eigenen Ängsten und anerzogenen Vorurteilen überlagert. Hier geht es also darum, die Ängste zu überwinden und die Vorurteile zu hinterfragen. Es ist aber ein enormer Unterschied, ob man Ängste überwindet, oder ob man sie verdrängt. Jede Verdrängung macht uns blind für einen Teil von uns selbst und diesen Teil können wir dann im Spiegel nicht so gut wiedererkennen.

 

Wegen diesem Überlagerungseffekt ist es übrigens auch keinesfalls so, dass man seinen Gefühlen einfach so blindlings vertrauen kann. Dann vertraut man nämlich in vielen Fällen nicht seiner inneren Stimme, sondern nur seinen Vorurteilen.

 

Viele der Impulse haben den Zweck, dass wir uns mit ganz bestimmten Themen auseinander setzen: dass wir z.B. ein bestimmtes Buch lesen, dass wir in einer Diskussion ein bestimmtes Thema ansprechen, dass wir uns einen bestimmten Film anschauen, dass wir irgendwas raustüfteln, ausprobieren, u.s.w. Dafür schaffen wir wiederum die Grundlage für neue Impulse. Während wir uns mit diesen Themen beschäftigen, kann uns der Helfer durch die weitere emotionalen Impulse auf weitere Informationen hinweisen.

 

Dabei ist es durchaus sinnvoll, wenn wir manche Experimente, Themen und Diskussionen mehrfach wiederholen, denn damit lernen wir immer wieder neue Aspekte kennen und geben dem Helfer immer wieder die Chance, uns auf weitere Schwerpunkte und Schwachstellen hinzuweisen.

 

Wenn wir subjektiv den Eindruck haben, dass nun ein Thema endgültig durchgekaut und unter allen Aspekten beleuchtet ist, dann lohnt es sich, die Essenz einmal schriftlich zusammen zu fassen. Es ist zum Teil beeindruckend, welche Zusatzinformationen auf diese Weise nochmals freigesetzt werden und welche neuen Impulse dann noch auftreten.

 

Durch eigenes Handeln können wir also die Menge an Information positiv beeinflussen, die wir auf diese Weise erhalten können. Je mehr Inspiration wir umsetzen, um so stärker kommt dieser Informationsfluss in Gang.

 

Weitere Effekte

 

Nun gibt es noch einen interessanten Effekt. Wenn wir in uns gelegentlich mal einen starken „Emotionsfluss“ verursachen, z.B. indem wir leidenschaftlich oder auch zornig über ein religiöses Thema argumentieren, dann fließen immer wieder größere Bruchstücke in die Argumentation mit ein. Vermutlich handelt es sich dabei um Informationen, die vorher durch die bereits erwähnten Methoden in uns aufgebaut wurden, die aber noch unbewusst sind und die erst durch die starke Emotion freigesetzt und ans Bewusstsein gespült werden.

 

Wieder gilt der gleiche Hinweis auf den „halbdurchlässigen Spiegel“. Dieser emotionale Freisetzungsprozess spült verborgenes ans Tagesbewusstsein. Die Methode unterscheidet aber nicht, ob es sich um ein Echo unserer Vorurteile und Ängste handelt, oder ob es Informationen von unserem freundlichen Helfer sind.  Es ist wieder eine Frage der Selbsterkenntnis, dass wir unsere eigenen Vorurteile und Ängste erkennen und auch eine Frage der Sensibilisierung, dass wir die Informationen aus der anderen Wirklichkeit erkennen.

 

Dieser emotionale Freisetzungsprozess ist darüber hinaus auch nur für solche Menschen geeignet, die ihre Emotionen entsprechend steuern und unter Kontrolle bekommen können. Man braucht also schon eine gewisse Gelassenheit in der Grundeinstellung, um mal kurzfristig die Emotionen „loslassen“ zu können, ohne dass sie gleich mit einem auf destruktive Weise durchgehen.

 

Ein anderer interessanter Effekt ist der geistige Aktiv-Passiv-Wechsel - gerade dann, wenn man sich bei einem Thema „festgebissen“ hat. Wenn man dann „abschaltet“ und ganz was anderes macht (z.B. ein paar Erledigungen) kann es passieren, das zusätzliche Information nachströmt, die in der Aktivphase blockiert war.  „Passiv“ bedeutet hier nicht, dass man sich körperlich ausruht, sondern dass man das Thema ruhen lässt. Leichte körperliche Arbeit (Einkaufen, Laub rechen, Straße kehren, ...) ist für diesen Effekt sogar nützlich.

 

Die Zielorientierung bei der geistigen Führung

 

Ein Skeptiker mag sich fragen, was denn nun an diesem „Informationsfluss“ esoterisch sei. Man macht im Alltag praktische Erfahrungen und lernt aus Büchern. 

 

Man kann hinterher tatsächlich das Wissen, das man auf diese Weise aufbaut, kausal aus der Erfahrung und aus der Literatur ableiten. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nicht nur diesen kausalen Zusammenhang gibt, sondern auch einen „finalen Zusammenhang“. Der Wissensaufbau ist „zielorientiert“ (lat. finis = Ziel). Wenn eine solche Zielorientierung erkennbar ist, dann muss jemand – im obigen Beispiel unser freundlicher Helfer – das Ziel kennen.  

 

Würde uns ein höheres Wesen das „Lernziel“ nur offenbaren, dann wäre diese Aussage eine reine Frage des Glaubens. Aber ein Lernziel, dass wir auf die hier beschriebene Weise erreicht haben, ist nicht mehr eine Sache des Glauben, sondern eine durch Fakten begründete Erkenntnis.

 

Zusammenfassung der Grundlagen

 

Nach diesem Überblick können wir die wichtigsten Grundlagen der Methode zusammenfassen:

 

-         Selbsterkenntnis und Ehrlichkeit gegenüber sich selbst

-         Gelassenheit und positive Grundeinstellung

-         die Überwindung einiger unbegründeter Ängste

-         das Hinterfragen der anerzogenem Weltbilder und Vorurteile

-         die Fähigkeit zur inneren Ruhe

-         die Fähigkeit seine Emotionen zu bremsen

-         die Kenntnis der Symbolsprache der Seele

-         etwas Übung mit der Traumdeutung

-         die symbolische/allegorische/gleichnishafte  Sichtweise auf die heiligen Schriften

-         die Befreiung von der rein historischen Sichtweise und vom Buchstabenglauben

-         die Fähigkeit zur Abstraktion, die Lösung von materiefixierten Denken

-         das Erkennen von kulturellen Überlagerungen und Verfälschungen bei der Symbolsprache

-         eine Sensibilisierung für die Zusammenhänge der anderen Wirklichkeit

-         praktische Lebens-Erfahrungen

 

Alles das braucht natürlich Zeit.

 

Diese Grundlagen finden wir als Ganzes oder in Teilen in nahezu jeder Religion, auch wenn diese Grundlagen von Fall zu Fall in andere Gleichnisse oder Begriffe verpackt werden. Aber in keiner der Religionen werden diese Dinge in einen Gesamt-Zusammenhang gestellt, so dass man erkennen kann, wie diese einzelnen Themen als Ganzes wirken. Und dadurch wird auch nicht deutlich, worauf es bei diesen einzelnen Themen wirklich ankommt.

 

Auf diesen Grundlagen basieren auch die allgemeinen Literatur-Empfehlungen für den Einstieg:

 

-         Einführung in Traumdeutung und Psychoanalyse

-         Heilige Schriften, Märchen, Mythen

-         Esoterische/symbolische Interpretationen von Märchen und Mythen

-         Kritische Betrachtungen der historischen Fakten des Christentums

-         Unterschiedliche Lehren: Gnosis, Platon, Origenes, Buddhismus, Taoismus, Kabbala, Hermetik, ...

-         Autogenes Training und Meditation

-         Technik und Wissenschaft

 

Für den allgemeinen Lebenswandel gelten folgende Empfehlungen:

-         solche Dinge tun, die unsere Aufmerksamkeit fördern und die uns bewusster leben lassen

-         versuchen, das es möglichst wenige Dinge im Leben gibt, die uns abstumpfen

-         kreative Tätigkeiten ausüben (z.B. Kunst, Gestaltung, Technik, Handwerk, ...)

-         Aufgaben und Verantwortung übernehmen (Familie, Beruf, Verein, Partei, ...)

-         nichts übertreiben

 

Für den ersten Einstieg

 

Grundsätzlich sollte man folgende Literatur besitzen:

 

-         Bibel (Elberfelder oder revidierte Luther-Bibel)

-         Grimms Märchen

-         Mythologie-Lexikon

-         seriöses Nachschlagewerk über Traumsymbolik

 

Wenn in einem Traumlexikon zu viele Kommentare in der Form „Ihnen passiert demnächst ...“ enthalten sind, dann sollte man doch lieber ein anderes nehmen.

 

Für den ersten Einstieg empfehle ich folgende Texte von dieser Homepage:

 

-         Was ist Esoterik?

-         95 Thesen für eine zweite Reformation

-         Liebes-Leben

-         Rapunzel

-         Schneewittchen

 

Nach dem Text über Schneewittchen kann man sich dem Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“ zuwenden und selbst eine esoterisch-symbolische Deutung versuchen.

 

Wenn jemand schon die Deutung von „Schneeweißchen und Rosenrot“ kennt, kann er sich alternativ auch das Märchen von „Frau Holle“ heranwagen, an „Dornröschen“ oder an den „kleinen Trommler“.

 

Dabei ist es GANZ WICHTIG, dass man die Deutung schriftlich erledigt und begründet.

-         Welche Symbole und Strukturen erkennt man wieder?

-         Welche Rollen gibt es in diesem Märchen?

-         Was bedeuten diese Rollen?

 

Wenn man es schriftlich macht, stolpert man über manche Unstimmigkeiten, die man bei der gedanklichen Deutung einfach übersieht. Das Schriftliche zwingt uns zur Genauigkeit. Man muss dann Probleme beschreiben, die man gedanklich überspringen kann.

 

Mir ist es übrigens beim schriftlichen Formulieren und Argumentieren häufig passiert, dass die Texte fast wie von selbst kamen und ich war sehr häufig selbst von dem überrascht, was hinterher auf dem Bildschirm stand. Der Computer hat dabei auch den Vorteil, dass man hier sehr schnell schreiben kann, denn im Nachhinein kann man ja die Texte immer noch korrigieren. Und da braucht man sich die Texte vorher nicht so genau zu überlegen. Man kann einfach „fast gedankenlos“, aber mit Leidenschaft drauflos schreiben. Emotionalität und Spontaneität tragt dazu bei, dass der „innere Fluss“ besser in Gang kommt und dass dadurch auch mehr „inneres Wissen“ in die Texte mit einfließt. Natürlich klappt das nicht immer, aber wenn man den Schub verspürt, sollte man einfach mal diesem Impuls folgen. Korrigieren oder löschen kann man es ja später immer noch. Überhaupt sollte man die eigenen Aussagen so weit wir möglich nachrecherchieren, damit man sich nicht in phantasievollen Luftschlössern verläuft.  

 

Wenn man sich den eigenen Text immer wieder vorliest, wird man ganz intuitiv merken, wo noch etwas fehlt oder unstimmig ist. Unser „inneres Wissen“ springt nämlich nicht nur bei fremden Texten an, sondern auch bei eigenen.  Diese Impulse können hierbei auch genutzt werden, um den „inneren Fluss“ wieder in Gang zu setzen, wenn er einmal abgerissen ist.

 

Wenn die Inspiration nicht gleich auf Anhieb anspringt, hat es sich bewährt, dass ich trotzdem mit dem Schreiben anfing:

 

-         was mir aufgefallen ist

-         was das bedeuten könnte

-         was bei der Deutung einfach nicht hinhaut

-         wo Hinweise auf das 3-Ebenen-Schema erkennbar sind

-         wo Hinweise auf die 4-Elemente-Lehre erkennbar sind

-         wo Hinweise auf den Abstieg in die materielle Welt erkennbar sind

-         wo Hinweise auf den Aufstieg in geistige Welt erkennbar sind

-         in welchen Geschichten ähnliche Motive auftauchen

-         u.s.w.

 

Es funktioniert nicht, wenn man mit dem Schreiben so lange wartet, bis der “innere Schub” einsetzt. Sondern es klappt andersherum: Man muss schrieben, damit der Schub einsetzen kann.

 

Wenn es mal passiert, dass die Inspiration auch nach einer Stunde nicht angesprungen ist und wenn der Text immer grauenvoller wird, dann sollte man den Text einfach ruhen lassen. Das sollte man auch tun, wenn der „inner Schub“ nach einer gewissen Zeit nachlässt oder wenn man erschöpft ist. Gelegentlich kann man ja im stillen Monolog weiter formulieren und argumentieren. Wenn man nach einem Tag wieder rangeht, dann sind die Gedanken zumeist schon sehr viel klarer. Jetzt braucht man jedoch die Entschlossenheit, eventuell auch die Deutung vom Vortag komplett umzuschmeißen. Das klappt mit einem Textbearbeitungsprogramm natürlich sehr viel leichter als mit Bleistift und Papier.

 

Spätestens jetzt müssten eigentlich die erste Impulse kommen, so dass man zumindest zu einer halbwegs sinnvollen Deutung der wichtigsten Grundmotive findet. Das klappt natürlich nicht mit jedem Text. Wo keine esoterische Botschaft im Text verpackt ist, da kann man natürlich lange vergeblich suchen.

 

Am Schluss einer solchen Deutung stehen dann immer zwei Dinge:

 

1.)    die symbolische Deutung eines Märchens oder einer mythischen Geschichte

2.)    eine Erfahrung mit meinem Inneren Wissen

 

Übrigens: Das „innere Wissen“ wird vermutlich auch schon in der Vorbereitungsphase beim Lesen der Texte und Deutungen mehrfach reagieren. Manchmal hat man spontan den Wunsch einen Satz einzufügen oder umzustellen oder möchte ein weiteres Beispiel hinzufügen. Wenn man auf diese Impulse achtet, kann man vieles durch die Texte lernen, was eigentlich gar nicht in den Texten drin steht. Es kann sogar passieren, dass man spontan das Gegenteil aus einem Text lernt, im Vergleich zu dem, was tatsächlich dort steht..

 

Am meisten hat mein inneres Wissen immer dann reagiert, wenn ich Texte von Autoren las, die sich auf hohem Niveau irrten.

 

Auch meine Texte enthalten Fehler, auch wenn ich sie natürlich nicht bewusst eingefügt habe. Über diese Fehler kann man sich nun entweder ärgern oder man sich freuen, dass man über diese Fehler Zugang zum „inneren Wissen“ bekommt, weil das „innere Wissen“ bei jedem dieser Fehler immer wieder ganz deutlich aufschreit.

 

Dabei ist es jedoch – wie schon mehrfach angedeutet - nicht ganz einfach zu unterscheiden: Wo schreit das innere Wissen auf und wo reagieren nur die anerzogenen Vorurteile? Gerade bei Leuten, die aus dem kirchlichen Umfeld kommen, wird ganz sicher sehr Vieles innerlich aufschreien, wenn sie über meine Texte stolpern ;-)

 

Der Zustand der gedankenlosen Ruhe

 

Viele „innere Bilder“ bekam ich im Zustand der „gedankenlosen Ruhe“. Mit der Zeit habe ich verschiedene Methoden ausprobiert, wie man diesen Zustand längere Zeit aufrecht erhalten kann. Die effektivste Methode besteht bei mir darin, dass ich mich an einem sonnigen Tag auf das Sofa bei unserem Wohnzimmerfenster lege und eine John-Denver-CD anstelle. Bei dieser Art von Musik konzentriere ich mich nie auf den Text, sondern genieße einfach nur die ruhigen Melodien. Es ist dabei wichtig, das ich von der Sonne nicht geblendet werde, dass es aber trotzdem angenehm warm und gerade um das Gesicht herum hell ist. Früher habe ich Versuche mit einer Glühlampe über dem Kopf und mit einer Soft-Klassik-Schallplatte gemacht und das hat auch funktioniert.

 

Mit der Musik hat man etwas, was man gedankenlos wahrnehmen kann und was einen dadurch auch wach hält. Vermutlich haben Melodie und Rhythmus darüber hinaus auch einen positiven Einfluss auf das Nervensystem und auf die Atmung.

 

Bei meinen Experimenten habe ich aber immer wieder die Erfahrung gemacht, dass eine solche Methode immer nur eine gewisse Zeit funktionierte. Nach ein paar Wochen oder Monaten kamen einfach keine Bilder mehr.

 

Das hat einen ganz einfachen Grund: Was hätten wir von noch mehr neuen Bildern, wenn wir noch nicht einmal die alten verstanden haben?

 

Man muss sich also erst einmal ein paar Wochen und Monate mit den Bildern beschäftigen, sie interpretieren und mit mythischen Motiven vergleichen, ... und irgendwann kommen dann ganz von selbst wieder neue Bilder.

 

Manche dieser Erlebnisse waren sehr angenehm und oftmals verspürte ich den Wunsch, dieses Erlebnis erneut herbei zu führen. Aber es war ein enormer Unterschied, ob so ein Bild über mich kam oder ob ich mir später das Bild aktiv vorstellte, um es erneut zu erleben. Die spätere Vorstellung kam in der Intensität nie an das erste Erlebnis heran.

 

Die größte Schwierigkeit

 

Alle hier vorgestellten Methoden liefern immer wieder nur einzelne „Bruchstücke“. Es sind kurze Bilder, die in uns auftauchen, einzelne Motive die uns ansprechen und einzelne Sätze die scheinbar zufällig in eine Diskussion oder in einen Text mit einfließen. Die Schwierigkeit ist nun, all die Bruchstücke zu einem Gesamtbild zusammen zu fügen, zumal manche dieser Bruchstücke auch noch symbolisch verfremdet sind.

 

Wenn wir erst einmal eine Vorstellung vom Gesamtbild haben, dann ist es recht einfach, ein neues Bruchstück in dieses Gesamtbild einzufügen. Wenn man die Symbolsprache erst einmal ansatzweise beherrscht, dann kann man mitunter auch ein neues Symbol durch den Zusammenhang verstehen, ähnlich wie man auch bei einer Fremdsprache ein neues Wort durch den Zusammenhang erschließen kann. Wenn sich dann die vermutete Bedeutung des Symbols immer wieder bewährt, dann kann man irgendwann sicher sein, dass man das neue Symbol richtig verstanden hat.

 

So wie ein stimmiges Gesamtbild das Einordnen neuer Bruchstücke vereinfacht, so kann eine falsche Vorstellung vom Gesamtbild auch sehr hinderlich sein. Das gilt in gleicher Weise auch für die Symbolsprache. Wenn man von falschen Annahmen ausgeht und dadurch einen anderen Zusammenhang vermutet, wird man zwangsläufig jedes neue Symbol ebenfalls falsch interpretieren.

 

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich leider viele Symbole sehr stark verändert. Immer wieder passierte es, dass ursprünglich positiv besetzte Symbole von späteren Religionen regelrecht verteufelt wurden. Und durch diese Verteufelungen erscheinen uns natürlich die mythischen Geschichten, die mit diesen symbolischen Motiven ausgeschmückt sind, in einem ganz anderen Zusammenhang. Diese verfälschten Bedeutungszusammenhänge sind oftmals aber leider durch unsere Erziehung und durch die kulturelle Beeinflussung sehr tief in uns verankert, was natürlich den Aufbau eines stimmigen Gesamtbildes noch einmal deutlich erschwert.

 

Nun ist es so, dass unserer innere Symbolsprache ein Mix ist aus einerseits archetypischen und kultur-übergreifenden Symbolen und andererseits auch aus kulturell beeinflussten Symbolen. Man kann sich sicherlich vorstellen, was nun passiert, wenn eine frühe Kultur die archetypischen Ur-Symbole in ihre Mythologie aufnimmt und eine spätere Kultur diese Mythologie wiederum verfälscht und verteufelt. In unserer inneren Symbolsprache überlagern sich nun zwei zum Teil gegensätzliche Bedeutungen.

 

Im Prinzip haben wir eigentlich so gut wie keine Chance, einen Weg durch dieses Dickicht der Symbole zu finden und so verheddern sich die meisten Sucher früher oder später in diesem Gestrüpp - ähnlich wie im Märchen von Dornröschen, wo die Sucher auch in der Dornenhecke hängen blieben.

 

Ich weiß nun nicht, warum jetzt ausgerechnet ich einen Weg durch dieses Gestrüpp gezeigt bekam – aber es ist passiert – warum auch immer. Schritt für Schritt und absolut zielorientiert wurde ich von meinem „höheren Seelenanteil“ an die notwendigen Themen herangeführt. Den Einstieg fand ich schließlich über die Vier-Elemente-Lehre im Zusammenhang mit der Kreuzsymbolik. Ausgehend von der Haupt-Achse „Feuer-Erde“ entstand in relativ kurzer Zeit eine immer komplexere Struktur, was schließlich zur Symbolik des Dreifachkreuzes führte. Nachdem diese Grundstruktur gefunden war, öffneten sich plötzlich viele symbolisch verpackten Geschichten fast von selbst und über die bereits dargestellte Wechselwirkung begann die innere Quelle zu sprudeln.

 

Mit meinem symbolischen Deutungen kann ich nun einen Einstieg in die Symbolsprache vermitteln und auch etwas Ordnung in das symbolische Kauderwelsch bringen. Damit gibt es eine „Basis“, von der aus man weiter in die Symbolsprache vordringen kann. Ich behaupte nicht, dass diese esoterisch-symbolischen Deutungen in allen Punkten absolut fehlerfrei sind. Oft genug musste ich schon nachbessern. Aber was die zentralen Grundmotive betrifft, hat sich die verwendete Symbolsprache immer wieder bewährt.

 

Diese esoterischen Deutungen unterscheiden sich zum Teil ganz erheblich von den allgemein üblichen Interpretationen. Es ist aber auch gar nicht mein Ziel, all die Dornenranken möglichst exakt zu beschreiben, die den Weg versperren, sondern es geht mir primär um den Weg, der durch das Gestrüpp führt. Und dieser Weg geht natürlich ganz zwangsläufig immer etwas an den Dornenranken und an den traditionellen Interpretationen vorbei.