Die Beziehung Afrika-Europa und was sein könnte - nur ein "frommer" Wunsch?

Die Beziehung zwischen Afrika und Europa kann nicht als seligmachend bezeichnet werden. Sie ist gekennzeichnet von Ausgrenzung und Vorurteilen. Die Ereignisse der Geschichte sind sattsam bekannt. Schaut man sich ein bißchen diese Fotos an, sieht man das pure Ungleichgewicht - Armut und nicht mehr freundlich, sondern anklagend und ärgerlich dreinschauende Gesichter, die "Warum?" fragen, während in nichtafrikanischen Ländern der aus Afrika für einen Apfel und ein Ei herbeigeschleppte Reichtum, und zwar verbraucht werden, ohne daß man weiß, woher sie kommen und wer sie sind. Ohne daß man ihren wirklichen Wert kennt.
Es gibt die Sklaverei in Afrika noch, genauso, wie es in Europa die Leibeigenschaft gibt (Zeitarbeits- und Inkassofirmen).
Dabei hätte es ganz anders kommen können: Heinrich der Seefahrer, der portugiesische König des 15. Jahrhunderts, gestaltete die Handelsbeziehungen zwischen seinem Land und den neuentdeckten afrikanischen Küstenländern sehr positiv und förderte Austausch und Handel. Die ersten nach Afrika (z.B. Guinea) kommenden Portugiesen bewunderten die Tänze, Riten, Staaten und die Lebensfreude und Vitalität der Einheimischen. Dann kam die Geldgier, die erst Amerika und andere Kontinente den Europäern, dann Europa den Türken (Genuenser und das restliche Europa kamen Konstantinopel wegen Raffgier nicht zu Hilfe) und heute Amerika dem Terrorismus ausliefert. Was aber ist der "Terrorismus"? Es ist v.a. der Vorwurf, die Anklage gegen Raubbau an fremden Ländern, die sich nicht einmal wehren dürfen, die Anklage gegen ein Abendland, das, anstatt mit anderen zu teilen und sinnvoller Teil der Welt zu sein, andere teilt und ihnen ihre Entwicklungsmöglichkeiten vorenthält. Ja, erst werden den Ländern ihre ureigenen Entwicklungsmöglichkeiten genommen, und dann werden sie seltsamerweise als Entwicklungsländer bezeichnet.
Auch die Benennung "Dritte Welt" ist wie ein Vorwand, um dort Raubbau treiben zu können.
Man wirft den Leuten in Afrika vor, daß sie selber schuld seien an ihrer Misere. Gleichzeitig aber nimmt man ihnen die Mittel, etwas zu tun. Und sie könnten sehr viel tun, wie Kwame Nkrumah, Patrice Lumumba, Léopold Sédar Senghor, Wole Soyinka und viele andere zeigten und zeigen. Nur kommen sie nicht zum Zug, ähnlich wie die Hartz-IV-Anwärter in Deutschland, die mit und desweiteren unter der Gefahr, unterwegs von Kontrolleuren geschnappt zu werden, zum Amt kriechen müssen. (Ihr Dilemma: Sie haben zwar kein Geld, müssen aber zum Amt, was ihnen dann doch wieder keine Arbeit gibt. Die Strafe für die Wahl einer von zwei gleich unvorteilhaften Möglichkeiten -nämlich aus Geldmangel schwarzfahren und glücklich das Amt erreichen oder nicht auf das Amt gehen und dafür ziemlichen Ärger bekommen und hungern- sind dann 40Euro und ein schadenfroher bis gewalttätiger Kontrolleur.) Das afrikanisch-europäische Problem ist als Prinzip überall anzutreffen, wo der macht- oder geldgierige Mensch den weniger gierigen Menschen ausnutzt und sich auch noch freut, anderen zu schaden. Es ist damit kein ethnisches, sondern ein menschliches Problem, das nach außen hin als Wirtschaftsproblem getarnt wird, damit es nicht gar so unzivilisiert wirkt. Niemand kann also mehr sagen, der Afrikaner sei schuld, denn der Mensch an sich ist schuld: Es gibt naturverbundene und naturzerstörende Menschen, und wie der Ebola-Virus, der seinen Wirt zerstört, bevor er sich weiterverbreiten kann, bootet sich der naturzerstörende Mensch selber aus.

Sonne auch nachts - das Leuchten Afrikas

Wie das so ist: Was der Mensch nicht löst, das löst die Natur! Wir hatten jahrhundertelang Zeit, zwischen Destruktion oder Kooperation gekoppelt mit einer Art Paradies und Spielwiese unserer aller Ideen zu wählen.
Die Zusammenarbeit von Europa und Afrika könnte so ganz anders aussehen, nämlich menschlich, solidarisch und einander ergänzend. Dann gäbe es in Afrika mehr Schulen, bessere Marktstände und bessere Gesundheitsfürsorge (weniger Malaria!) und in Europa mehr Sonne, Musik, schönere Farben und mehr Liebe und Solidarität. Auf beiden Seiten käme ein "Mehr" raus, ein menschlicher, kein finanzieller Gewinn.
Schade, wenn Wünsche nur "fromm" und nicht reell sind! Man muß noch ein bißchen warten ... doch nicht zu lange.

Salif Keita sagt: "Die Natur hat uns außergewöhnliche Dinge geschenkt. Es ist noch nicht vorbei, nichts ist entschieden. Laßt uns endlich Nutzen aus den Wundern dieses Kontinents ziehen. Intelligent, auf unsere eigene Art, in unserem eigenen Rhythmus, wie verantwortungsbewußte Menschen, die auf ihr Erbe stolz sind. Laßt uns das Land unserer Kinder errichten. Und laßt uns aufhören, uns selbst zu bemitleiden. Afrika steht auch für Lebensfreude, Optimismus, Schönheit, Eleganz, Anmut, Poesie, Sanftheit, die Sonne und die Natur. Laßt uns froh sein, daß wir Kinder Afrikas sind, und laßt uns für unsere Zufriedenheit kämpfen."

Was wäre, wenn Europa Afrika in Ruhe gelassen und nicht geplündert hätte?

Es nützt nichts, den anderen zu bekämpfen, denn ohne das Kollektive können wir nicht hier sein. Das Kollektive, die Umwelt, ist unser Spiegelbild, unsere Grundlage. Und das Kollektive ist auch das Andere, das Verhältnis zwischen Europa und Afrika.


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last update by Lydia Thießen 31.10.2004