Naturreligionen und ihre tiefere Bedeutung

Der in Mali praktizierte Animismus ist eine Naturreligion. Naturreligionen bilden ein weltumspannendes Netz menschlicher Weltanschauung und menschlichen Glaubens, z.B. der Schamanismus Nord-, Ost- und Südostasiens, Ozeaniens und Amerikas und der Glaube der Aborigines. Sie zeichnen sich alle aus durch Die Naturreligion verbindet den Menschen ganz mit seiner Umwelt und weist ihm einen Sinn und seine Aufgabe im Leben. Alle Glieder der Gesellschaft sind wichtig und bilden ein größeres, kollektives Ganzes. Es werden beide Seiten, die kollektive und die individuelle, beachtet. Hat ein Mensch keine Aufgabe, bekommt er eine. Niemand ist "überflüssig" wie in unserer westlichen Industriegesellschaft, sondern das soziale Gewebe ist lückenlos.

Ein international bekannter Wissenschaftler und Schamane, Malidoma Patrice Somé aus Burkina Faso, dem Nachbarland Malis, vermittelt dem Abendland etwas von afrikanischer Weltanschauung. Bei seinem Volk ist es z.B. Brauch, das noch Ungeborene im Mutterleib nach seiner Aufgabe für das kommende Leben zu fragen. Anhand der Antwort werden dem Kind möglichst positive Startbedingungen geschaffen, damit es diese Aufgabe erfüllen kann. In einem von Malidoma Somé verfaßten Buch, "Die Weisheit Afrikas", und in einem Gespräch mit ihm sind viele weitere Einzelheiten zu erfahren.

Das animistische Weltbild geht genauso wie das abendländische von Elementen aus, die die Welt bilden und erhalten. Allerdings sind es 5 Elemente. Gräbt man aber etwas tiefer, dann finden sich auch in der indischen Anschauung fünf Elemente - Feuer, Wasser, Luft und Erde und der Klang, der Ton, als adäquates Element zum Feuer (Licht). Die uns umgebenden Dinge sind ebenso wie Pflanzen, Steine, Tiere und Landschaften belebt. Der Mensch kann mit Pflanzen, Tieren und Steinen kommunizieren, nur die Sprache ist verschieden. Es gibt aber ein alle verbindendes Prinzip, und deshalb können wir uns mit anderen Wesen austauschen. Der Mensch hat in diesem Geflecht seine Aufgabe, die schon seine Ahnen und davor die Götter (d.h. die noch weiter zurückliegenden Ahnen) eingeleitet und begonnen haben. Weicht der Mensch vom Weg ab, zieht er den Zorn der Ahnen auf sich, denn sie haben mit viel Mühe und über sehr lange Zeit hinweg eine, unsere Welt erschaffen. Insofern ist unser Wille unfrei, da wir nur dank unserer Ahnen hier sind und weil sie von uns erwarten, daß wir das von ihnen Angefangene weiterführen. Darin haben wir dann allerdings wieder Freiheit - wie wir das von unseren Ahnen geschenkte Leben -unter der Zielgabe- gestalten. Vieles weitere ist im

Institut für Bewußtseinsstrategien "Tingan"

zu erfahren, dessen Leiter Helga und Manfred Weule sich sehr für den afrikanisch-europäischen Austausch engagieren und den Suchenden bei der Bewußtseinsarbeit unterstützen. Hier hält Malidoma Somé auch Seminare und Vorträge.

Im Gegensatz zu Europa ist der durchschnittliche Mensch in Afrika nicht von der Natur und seiner Umwelt entfremdet. Er leidet auch nicht wie im Westen inmitten einer Zehn-Millionenstadt an Einsamkeit und Isolation. Wenn es ein Problem gibt, wird zum einen immer miteinander gesprochen. Das Problem wird nicht unter den Tisch gekehrt, sondern bereinigt. Außerdem bezieht der naturverbundene Mensch immer die gesamte Umwelt in seine Überlegungen ein und richtet sich nicht wie wir so oft ausschließlich nach seinem Ego und seiner persönlichen Ansicht. Er ist also eigentlich schon global und - sogar kosmisch (verbunden mit den Sternen und mit dem All), während wir ihn noch primitiv nennen und ihm die Globalisierung aufzwingen. Wir richten über andere und merken dabei nicht, daß wir Lichtjahre hinter ihnen zurück sind.


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last update by Lydia Thießen 31.10.2004