Allgemeines

Mali ist ein sehr schönes, großes und kulturell-historisch reiches Land in Westafrika, das am Fluß Niger (auf Bambara "Joliba", "der große Fluß") liegt. Es hat ungefähr 12 Millionen Einwohner und eine Größe von ca. 1200000km². Die Hauptstadt ist Bamako (über 1 Million Einwohner), weitere große Städte sind Timbuktu, Ségou, Mopti und Gao, die alle am Niger liegen. Eine Stadt, Kayes, liegt im Landesinneren in Richtung Senegal und ist im Sommer eine der heißesten Städte Afrikas (neben Faya-Largeau in Tschad). "Mali" bedeutet "Flußpferd", von denen es im Niger besonders in ländlichen Gebieten noch einige gibt, und "Bamako" "der Rücken des Krokodils", weil von jenen mitunter einige aus dem Wasser lugen und den Arglosen erschrecken.

Das Klima in Mali ist tropisch-wechselfeucht mit einer schwül-warmen Regenzeit von Juli bis Oktober und einer sehr warmen Trockenzeit von Ende Oktober bis Juni. Es gibt auch einen richtigen Winter von November bis Februar/März, wo man bei nachts bis zu 15 Grad mächtig friert. Da man sich nach einiger Zeit in einer anderen Klimazone akklimatisiert, können 15 Grad schon ziemlich unangenehm sein. Tagsüber werden es aber meist 30 Grad. Ansonst bewegen sich in der Regenzeit die Tagestemperaturen bei ca. 35 Grad und in der Trockenzeit bei 40 Gard und mehr mit Spitzenwerten bis 50 oder 55 Grad. Die Temperaturen liegen aber im Gegensatz zu einigen Sandstränden anderer Teile der Welt stets unter der Gerinnungstemperatur von Eiweiß.
Die Natur in Mali besteht vorwiegend aus Savannen mit Akazien, Baobabs und einer reichen Tierwelt. Tropischen Regenwald gibt es nicht, da es zu trocken ist. Dafür wächst an den Flußufern sehr viel Wald. In den Städten wachsen überall Mango- und Papayabäume, in denen Vögel zwitschern. Ein großer Teil von Mali wird von der sehr trockenen Sahelzone eingenommen, was das Leben manchmal etwas schwer macht.

Kunst und Kultur

Fruchtbarkeitsstatue

Savannenlandschaft mit Bancoarchitektur

Menschen

Die Bevölkerung Malis setzt sich aus ca. 20 verschiedenen Völkern zusammen, von denen die wichtigsten Bambara, Malinké, Fulbe und Songhai sind. Es gibt einige andere Völker, z.B. die Senufo und Sarakollé, und auch ein Fischervolk, die Bozo, die meist am Niger leben und Fischfang betreiben. Bekannter sind die Dogon, die unabhängig von Europa, also ohne technische Hilfsmittel wissen, daß Sirius ein Doppelstern ist, und in einem Rhythmus von 60 Jahren ein Fest zu Ehren ihrer Ahnen feiern, das 7 Jahre dauert. Im Siedlungsgebiet der Dogon waren früher die Tellem ansässig, ein mysteriöses Volk, von dem nur Sagen und wenige Gebrauchsgegenstände übriggeblieben sind. Der Norden von Mali ist auch Heimat der Tuareg, die teils in Städten, teils nomadisch leben.
Die meisten Einwohner sind muslimisch (ca. 80%), die anderen sind animistisch, d.h. praktizieren eine Naturreligion (mehr dazu unten), und einige wenige sind christlich. Die einzelnen Völker haben alle verschiedene Kulturen und Sprachen, die Gesellschaftsstruktur ist weitgehend feudal, obwohl das Land offiziell eine Republik mit dem Präsidenten Amadou Toumani Touré an der Spitze ist. Es gibt verschiedene soziale Schichten, die nach Berufsständen und gesellschaftlicher Funktion eingeteilt sind, z.B. Griots (s.u.), Handwerker (Schmiede, Schneider u.a.), Bauern und Notable (Adlige).
Die Bewohner Malis sind sehr freundlich, beziehen den Fremden in ihr Leben ein und sind sehr solidarisch. Spirituell sind die Menschen sehr lebendig und aufgeschlossen. Das Land befindet sich gerade im Aufbruch vom Feudalismus in die Moderne. Während der Feudalismus in Geschichtsbüchern eher negativ hingestellt wird, hat er in Mali wie auch in anderen Ländern der Sahelzone eine sehr positive Form herausgebildet, in der harmonisches Zusammenleben, stabile Familienstrukturen, Gastfreundlichkeit und Solidarität Grundlage menschlichen Miteinanders sind.

Mali hat eine sehr reiche und interessante Vergangenheit. Im Mittelalter gab es berühmte Königreiche der Songhai (mit der Hauptstadt Ghana, nach der das heutige Ghana benannt ist) und Bambara (das Reich Mali). Diese Reiche besaßen üppige Goldminen und waren politisch, wirtschaftlich und kulturell-sozial mindestens genauso weit entwickelt wie das damalige Europa. Sie pflegten rege Handelsbeziehungen mit den arabisch-berberischen Ländern Nordafrikas. Der König von Mali, Mansa Moussa, gab im 14. Jahrhundert auf seiner Pilgerreise nach Mekka unterwegs in Ägypten so viel Gold aus, daß dort der Goldpreis den niedrigsten Stand in der ägyptischen Geschichte erreichte.
Die Musikkultur Malis beruht auf Griots, traditionellen Sängern, die die Geschichte, Genealogien und wichtige Ereignisse besingen. Moderne Sänger, wie z.B. Salif Keita, Habib Koité, Oumou Sangaré und Rokia Traoré, bringen diese Welt in die Neuzeit.

Die Erzähltradition in Mali ist mündlich. Ohne schriftliche Hilfsmittel oder Bücher wurden Informationen, Geschichten und Erzählungen weitergegeben. Dadurch wird das Gedächtnis trainiert. Diese Tradition spielt auch mit der Tatsache zusammen, daß viele Einwohner Malis mehrere einheimische Sprachen beherrschen und daneben das Französische, die Amtssprache in Mali.
In Mali gibt es weiterhin ein florierendes Kunsthandwerk: Neben Masken, die bei Zeremonien getragen werden, und Statuen gibt es Schneiderei sehr schöner, farbenprächtiger Gewänder, Gold- und Silberschmiedewaren, Fertigung von Lederwaren und eine sehr farbenfrohe Töpferei. Im Gegensatz zu Europa wird fast alles mit der Hand gemacht, und die Leute scheinen glücklich, weil sie einen Sinn im Leben (gefunden) haben. Die Geschichte, Kultur, Landschaft und Menschen Malis haben mich sehr fasziniert und inspiriert.


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last update by Lydia Thießen 31.10.2004