Die drei Ebenen der Schöpfung

Eine Herleitung der Dreifachkreuz-Symbolik

von Elias Erdmann


Teil 1


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Der Mensch aus Lehm und die Frau aus seiner Rippe?

 

Wenn man heute als moderner Mensch die biblische Schöpfungsgeschichte oder andere religiöse Mythen ließt, so mögen sie einem vorkommen, wie die naiven Vorstellungen einfacher Menschen aus längst vergangenen Zeiten. Auch die wundersame Brotvermehrung oder die Wiedererweckung des Lazarus durch Jesus klingen nicht mehr wirklich glaubhaft. So verlieren diese Geschichten zwangsläufig heutzutage für viele Menschen an Bedeutung, sogar für viele Christen, weil sie in der allgemein gewohnten, wörtlichen Interpretation selbst bei sehr viel Wohlwollen naturwissenschaftlich absolut nicht mehr haltbar sind.

 

Also warum sollte man sich heute als moderner und aufgeklärter Mensche noch mit solchen „alten Mythen“ beschäftigen?

 

Weil hinter der Symbolik dieser Texte oftmals tatsächlich noch ein ganz anderes und recht interessantes „esoterisches“ Weltbild verborgen liegt, das auf den zweiten Blick gar nicht so naiv ist. Dieses Weltbild führt uns in das Umfeld der antiken Mysterienschulen und auch zu den Ursprüngen unserer „christlichen“ Tradition.

 

Natürlich wurde der Mensch nicht wirklich wie ein Ziegelstein aus Lehm gemacht und das Leben wurde ihm auch nicht wie bei einer Luftmatratze eingeblasen. Es wäre wirklich absurd, wenn man das ernsthaft glauben täte und auch die Autoren der Genesis haben dieses nicht wirklich geglaubt. Solche scheinbaren Absurditäten entstehen, weil die Texte zwar in unsere Sprache übersetzt wurden, aber die Symbolik nicht in unserer heutige Denkweise. Im Hebräischen ist „Geist“ und „Luft“ das gleiche Wort: (ruach) und im Altertum war es durchaus üblich, den materiellen Anteil als „Erde“ zu bezeichnen. Der Mensch verfügt also über einen materiellen Körper und über Geist. So wie in diesem einfachen Beispiel nach der Übertragung der biblischen Symbolik in unsere heutige Denkweise eine ganz vernünftige Aussage entsteht, so wird auch bei größeren Texten durch eine entsprechende symbolische Übertragung ein ganzes und in sich stimmiges Weltbild erkennbar, das einem auch auf die elementaren Grundfragen (z.B. über den Sinn des Lebens) eine Antwort gibt.

 

Ein Denken in Symbolen und Gleichnissen

 

Es ist eine völlig andere Begriffswelt und Denkweise, in die man eintauchen muss, um dieses Weltbild wirklich zu verstehen. Es ist ein Denken in Analogien, Gleichnissen, Symbolen und Bildern. Es ist eine Trittleiter für den Verstand des Menschen, um in eine höhere Wirklichkeit vorzudringen, die sich normalerweise mit den Begriffen unserer sinnlich erfahrbaren Welt nur sehr schwer beschreiben lässt.

 

Einige Menschen versuchten schon vor Jahrtausenden ihre durch Inspiration, Beobachtung und Analogieschlüsse gewonnenen Erkenntnisse in den Begriffen einer Zeit darzustellen, die für diese Art von Erkenntnissen noch gar keine Begriffe hatte. Es gab noch keine Worte für höhere Dimensionen, für Wahrscheinlichkeiten, für virtuelle Welten, für Baumstrukturen, für Rekursionen, für Selbstähnlichkeiten, für Schichtenmodelle, für abstrakte Basis-Klassen, u.v.m. Und auch heute können viele moderne Menschen mit diesen Begriffen nicht allzu viel anfangen. Trotzdem dachten erstaunlicherweise schon damals die Menschen tatsächlich über diese Dinge nach und schufen basierend auf den archetypischen Grundmotiven ihrer Seele ein System der Analogien und Symbole, welches es ihnen ermöglichte, mit ihrem normalen Alltags-Vokabular über diese abstrakten Dinge sprechen zu können. Sie erreichten eine enorme Kunstfertigkeit darin und entwickelten mit dieser „Trittleiter des Denkens“ bereist eine hochkomplexe Kosmologie, die ganz und gar nichts gemeinsam hat mit den naiven Vorstellungen, die man ihnen heutzutage beim oberflächlichen Lesen der Mythen zutraut.

 

Mythen sind wie Gleichnisse bzw. Analogien oder Modelle und sollten daher auch als solche symbolisch bzw. gleichnishaft interpretiert werden, indem man die Analogien erkennt. Wenn man aber - wie es im Zusammenhang mit der Bibel leider immer wieder geschieht - statt dessen Gleichnisse in einem wörtlichen Sinn dogmatisch zur Wahrheit erklärt, dann macht man die Gleichnisse gerade dadurch erst zur Lüge.

 

Es ist eines der Ziele der Homepage „Mythen und Visionen“, dieses verschollene esoterische Wissen aus uralten Andeutungen, Rätseln, Ritualen, Gleichnissen und symbolisch verklausulierten Texten zu rekonstruieren.

 

Auch Symbole beschreiben Realitäten

 

Viele scheinbare Unstimmigkeiten und Absurditäten mythischer Texte entstehen heute durch die wörtliche Interpretation. Das wäre etwa so, als würde man Amors Pfeil, der das Herz durchbohrt, wörtlich als „Ermordung“ interpretieren und dann nicht verstehen, warum man nun ausgerechnet den geliebten Menschen ermordet. Viele solche Unstimmigkeiten lösen sich erstaunlicherweise vollkommen auf, wenn man den Interpretationsansatz ändert und die Mythen symbolisch interpretiert.

 

Viele dieser mythischen Texte bewegen sich auf zwei (oder mehr) Ebenen, einerseits der oberflächlichen, offensichtlichen Erzählung, die möglicherweise sogar real-geschichtliche Elemente enthält und andererseits der symbolischen Ebene. Das mag einem modernen Menschen zunächst fremdartig erscheinen. Aber auch in Karikaturen findet man gelegentlich heutzutage ganz selbstverständlich diese Mischung von Ebenen. In der Zeit des Niedergangs der DDR erschien z.B. eine Karikatur, in der Honecker in einem Leiterwagen aus Holz sitzt, der auf einen Abgrund zurollt. Ein Ochse und ein Esel stehen daneben. Diese Karikatur enthielt drei Ebenen: 1. Honecker als reale Person, 2. seine Aussage "Den Sozialismus in seinen Lauf hält weder Ochs noch Esel auf." und 3. die Tatsache, dass es mit ihm bergab ging. Wenn nun ein Historiker nachweisen wollte, dass Leiterwagen aus Holz in der DDR nicht zur Personenbeförderung ihres Staatsoberhauptes genutzt wurden, dass es sich also um einen PKW der Marke Volvo gehandelt haben muss, so ginge diese „historische Analyse“ an der symbolischen Aussage der Karikatur völlig vorbei. Leider bewegt sich aber die moderne Bibel-Auslegung zumeist auf diesem Niveau.

 

Gerade bei den biblischen Texten basieren leider viele heutige „Glaubensinhalte“ gerade auf derartigen „verwörtlichten“ Symbolen – also auf eigentlich ursprünglich symbolischen Motiven, die aus Unkenntnis über die damaligen „Symbolsprache“ heute üblicherweise wörtlich genommen wurden. Dadurch wurde der ursprüngliche Sinn regelrecht zerstört und auf den Ruinen der alten Ideen entstanden neue, aber oftmals naivere Vorstellungen über den Sinn dieser Texte. Für die religiösen Weltbilder die auf diesen neuen Vorstellungen basieren, erscheint natürlich diese „symbolische Interpretation“ regelrecht zerstörerisch – weil viele angebliche „Wunder“ dann eben NUR noch Symbole sind.

 

So hört man in Diskussionen bezogen auf Symbole häufig das Wort „nur“ – „Es sind ja NUR Symbole“ – so als sei die symbolisch transportierte Aussage weniger real. Durch die symbolische Interpretation entwertet man aber eine solche Geschichte nicht. Die Informationen in den Symbolen sind nicht weniger wert als die historischen Überlieferungen, denn auch die symbolische Ebene beschreibt eine Realität – wenn auch nicht in einem exakten wörtlichen Sinne, sondern in einem übertragenen. Auch wenn Honecker sicherlich in der Endphase der DDR nicht in einem Leiterwagen einen Berg runter rollte, so ist der Niedergang der DDR trotzdem eine Realität. Sie wird in der Karikatur nur anders beschrieben.

 

Es wäre statt dessen sogar eine Entwertung von Karikatur und Mythos, wenn man sie in allen Details als „historische Wahrheit“ interpretieren würde, denn damit würde man ihre Aussage verfälschen  und das Ergebnis würde gerade dadurch tatsächlich nicht mehr der historischen Wahrheit entsprechen.

 

Auch schon im Altertum bestand immer die Gefahr, dass die Zuhörer diese Analogien nicht als solche erkannten, sondern die Begriffe in einem naiven Sinne wörtlich nahmen. Im Gegensatz zu heute konnte man aber damals in sogenannten Mysterienschulen in mündlichen Unterweisungen schrittweise in den Gebrauch solcher Symbole und Analogie-Systeme eingeweiht werden, aber immer gebunden an eine Schweigeverpflichtung. Wegen dieses Prinzips der Geheimhaltung des Wissens vor Uneingeweihten wird uns heute leider in absolut keiner historischen Quelle das System der Analogien als Ganzes dargestellt, sondern wir stehen vor einem unzusammenhängenden Sammelsurium unterschiedlichster Fragmente aus unterschiedlichen Traditionen und Epochen. So nützlich dieses System der Geheimhaltung auch war, damit das System nicht von unvollständig eingeweihten Wichtigtuern als Teilwahrheiten verkündet wurde, so sehr hat es auch zum Untergang dieses Wissens beigetragen. Die Mysterienschulen verschwanden, das Wissen ging verloren, doch die alten Texte mit ihrer schwer verständlichen Symbolik blieben erhalten.

 

So wie im Märchen von Dornröschen hinter dem Gestrüpp einer Dornenhecke für ein Jahrhundert verborgen ein Schloss lag, so wartet in diesen alten Texten hinter dem Gestrüpp der Symbole das seit Jahrhunderten vergessene Wissen der antiken Mysterienkulte auf seine Wiederentdeckung. Ähnlich wie im Märchen haben schon viele den Weg durch das Gestrüpp gesucht und haben sich schließlich in diesem Gestrüpp der Symbole verheddert. Im Schloss wartet die Spindel auf uns, welche nichts anderes ist als der Baum der Erkenntnis, der Aaronstab, der brennende Dornbusch, das Zepter und das Dreifachkreuz. Wenn man diese mythische „Symbolsprache“ erlernt hat, werden einem aber nicht nur die alten Texte verständlich, sondern auch die archetypischen Grundmotive vieler Offenbarungen und Visionen, denn diese Symbolsprache der Mythen ist darüber hinaus auch die Sprache unserer Inspiration. So wie im Märchen nach dem Durchqueren der Dornenhecke das Feuer im Ofen wieder anfing zu brennen, so wird durch das Verständnis der Symbolsprache auch in uns das Feuer der Inspiration entfacht.

 


Die 4-Elemente-Lehre: Feuer, Luft, Wasser, Erde

 

Erst zu begegnen dem Tiere,
Brauch ich den Spruch der Viere:
Salamander soll glühen,
Undene sich winden,
Sylphe verschwinden,
Kobold sich mühen.
Wer sie nicht kennte
Die Elemente,
Ihre Kraft
Und Eigenschaft,
Wäre kein Meister
Über die Geister.

 

(Goethe: Faust I)

 

Viele für uns scheinbar alltägliche Begriffe bekamen in den antiken Mysterienschulen eine zusätzliche „symbolische“ Bedeutung. Wenn sie z.B. von Wasser sprachen, dann meinten sie nicht nur den chemischen Stoff H2O, sondern es war für sie auch eine Analogie zu Emotion und zu Zeit. Und ebenso war Luft ein Symbol für Vernunft und Raum. Da mag sich heute ein moderner Mensch natürlich fragen „Was hat nun ausgerechnet Emotion mit Zeit gemeinsam, dass man beides mit Wasser symbolisiert?“ Uns mag dieser Zusammenhang fremdartig erscheinen, aber gleichzeitig assoziieren wir heutzutage mit völliger Selbstverständlichkeit „Bock“ mit „Lust“, wenn wir sprichwörtlich „Bock“ oder eben auch „keinen Bock“ auf etwas haben. Ebenso sind für uns Ausdrücke geläufig wie „einen Bären aufbinden“, „mit dem Rudel heulen“, „ausgefuchst sein“, u.s.w. Ganz selbstverständlich verwenden wir hier diese Tiere als ein symbolisches Analogiesystem für „menschliche“ Situationen und Eigenschaften. Und ebenso verwendeten die Menschen damals ein System von Analogien zur Beschreibung abstrakter Ideen.

 

Konkret diese Analogie mit Wasser und Luft basiert auf einer Vier-Elemente-Lehre aus dem Altertum von Feuer, Luft, Wasser und Erde. Diese vier Elemente sind wie ein Konzept allgemeiner Prinzipien (durchaus vergleichbar mit Plus und Minus oder Ying und Yang ) und man kann sie daher als Analogie in sehr vielen Situation so mehr oder minder passend anwenden. Man sollte den Begriff „Element“ aber nicht wörtlich im chemischen Sinne verstehen, also nicht so wie Wasserstoff oder Helium. Die letzten Ausläufer dieser uralten Tradition der Vier-Elemente-Lehre können wir übrigens heute noch in den vier Farben eines jeden Skat-Spiels erkennen: Karo (=Feuer), Pik (=Luft), Herz (=Wasser) und Kreuz (=Erde).

 

Bereits in den ersten Zeilen der Genesis wird einem übrigens die Anwendung dieser Vier-Elemente-Lehre geradezu aufgedrängt.

 

Und die ERDE war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der ATEM (=LUFT) Gottes  schwebte auf dem WASSER. Und Gott sprach: Es werde LICHT (=FEUER)!

 

Erde symbolisiert die materiellen Aspekte. Dazu gehört die uns umgebende materielle Welt und natürlich auch unser Körper, mit dem wir uns in dieser materiellen Welt bewegen. Durch die Erprobung in der materiellen Welt kann man erkennen, was manche Ideen wirklich taugen, denn in der Materie erleben wir die Konsequenzen.

 

Wasser hat sehr unterschiedliche Aspekte. Einerseits steht es für Emotion, denn an vielen starken Emotionen sind Flüssigleiten beteiligt (Tränen, Schweiß, Blut, ...). Durch das „Dahinfließen“ steht es aber auch für die Zeit. Weiterhin lässt Regen die Pflanzen wachsen und ermöglicht damit Wachstum und Entwicklung. Einerseits ist es also Wasser ein Symbol des Leben, aber andererseits kommt man in vielen Mythen über das Wasser auch in das Reich der Toten.

 

Luft versinnbildlicht unsere Gedanken, die man ebenso wie Luft nicht greifen kann. Aber ebenso ist es auch eine Analogie für den Raum, der uns umgibt. Es mag vielleicht zunächst etwas irritieren, dass ausgerechnet das Schwert bzw. Eisen eine Analogie zu Luft ist, aber so wie man mit dem Schwert Dinge zerlegen kann, so kann man auch mit dem Verstand Dinge analysieren. Umgangssprachlich redet man auch von einem „scharfen“ Verstand. Die Bibel steht für Geist und Atem nur ein Wort: hebräisch ruach =griechisch pneuma = lateinisch spiritus. Spiritus kommt von lat. spirare (= atmen) und das Wort „Pneuma“  kennen wir ja heute auch von der Pneumatik (=Antrieb über Druckluft). Umgangssprachlich sagt man auch vom „heiligen Geist“, dass er „weht“.

 

Feuer ist der Antrieb. Einerseits gibt es den körperlichen Antrieb nach Nahrung, Fortpflanzung und materieller Sicherheit. Andererseits gibt es aber auch in uns eine geistige Kraft, die uns voran treibt und führt. Feuer gibt uns aber auch Licht und ermöglicht uns damit das sehen. Daher wird es auch als Symbol für Bewusstsein verwendet. Auch die „zündende Idee“, der „Geistesblitz“ sind Aspekte dieses Elements, ebenso wie die „Be-geist-erung“.

 

Es ist bei dieser Symbolik leider nicht ganz einfach, die Elemente Luft und Feuer immer exakt zu unterscheiden. Die abstrakte Idee selbst entspricht beispielsweise eindeutig dem Element Luft, aber die Kraft, die von einer solchen Idee ausgeht und das Bewusstwerden einer Idee entspricht wiederum dem Element Feuer. So wie man ein Feuer entfachen kann, wenn man in die Glut bläst, so kann auch von Ideen(=Luft) eine Kraft (=Feuer) ausgehen. Und so, wie ein elektrischer Ventilator Luft bläst aber selbst nicht aus Luft ist, so transportiert auch die Inspiration das Element Luft, obwohl die Inspiration dem Element Feuer entspricht. Daher wird auch die Inspiration durch Feuer symbolisiert, obwohl sie vom Wortstamm her eigentlich eher zum Element Luft passen würde

 

Die Interpretation symbolischer Geschichten wird für heutige Leser auch dadurch erschwert, weil oftmals unbemerkt von einer Entsprechungsebene in die nächste gesprungen wird und wo eben noch Wasser als Analogie für Zeit verwendet wird, da wird im nächsten Satz schon die Bedeutung gewandelt und es ist als Emotion zu interpretieren. Manchmal geht es aber auch um das allgemeine und abstrakte Prinzip unabhängig von der konkreten Entsprechung. Großenteils ist sogar die Vermittlung dieses abstrakten Prinzips gerade der Hauptzweck.

 

Häufig wird die Evolution des Bewusstsein mit Hilfe der vier Elemente dargestellt: Ganz einfache Lebensformen, die sich ausschließlich mit Stoffwechsel und Fortpflanzung beschäftigen, sind auf einer Stufe, die mit „Erde“ symbolisiert wird. Lebewesen, die bereits über Empfindungen verfügen, entsprechen der Stufe des „Wassers“. Mit der Fähigkeit zum Denken steht der Mensch auf der Stufe der „Luft“. Auf der Stufe des „Feuers“ stehen Menschen, in denen das göttliche Bewusstsein erwacht. So wie manche Säugetiere auch schon in gewissen Grenzen denken können und damit an der Schwelle zur Stufe der Luft stehen, so stehen kreative Menschen, die in sich den Funken der Inspiration spüren, schon an der Grenze zur Stufe des Feuers.

 

Feuer

göttliches Bewusstsein

unser nächstes Evolutionsziel

Luft

abstraktes Denken

Mensch

Wasser

Empfindungen

Tiere

Erde

Stoffwechsel und Fortplanzung

einfache Lebensformen

 


Analogie-Schema der 4 Elemente:

 

Element

Feuer

Luft

Wasser

Erde

Mensch

Geist

Verstand

Gefühl

Körper

Kosmos

Energie

Raum

Zeit

Materie

Spielkarte

Karo

Pik

Herz

Kreuz

Tarot

Stäbe

Schwerter

Kelche

Münzen

Qualität

warm-trocken

warm-feucht

kalt-feucht

kalt-trocken

Wissenschaft

Theologie

Philosophie/Mathematik

Psychologie/Biologie

Physik/Chemie

Kabbala

Aziluth

Beriah

Jezirah

Assiah

Faust

Salamander

Sylphe (Luftelfe)

Undene (Wassernixe)

Kobold

apokalyptische Reiter

rotes Pferd

weißes Pferd

fahles Pferd

schwarzes Pferd

Typenlehre

cholerisch

sanguinisch

melancholisch

phlegmatisch

 

Bei den unterschiedlichen Analogie-Ebenen sollte man aber folgendes beachten: Die Symbole in den verschiednen Zeilen kann man zwar alle den vier Elementen zuordnen, aber nicht in allen Fällen haben diese Zeilen auch eine Beziehung untereinander. So ist beispielsweise ein Salamander weder „warm und trocken“ sondern eigentlich ein kaltes uns feuchtes Tier und ein sanguinisch veranlagter Mensch ist nicht zwangsläufig warm und feucht. Wenn man versucht, in solchen Tabellen die Zeilen untereinander in Verbindung zu setzen, so kann es daher leicht passieren, dass man unter Umständen auf diese Weise ganz andere Zuordnungen herleitet.

 

Darüber hinaus werden manche Symbole in unterschiedlichen Traditionen durchaus auch sehr unterschiedlich verwendet. Beispielsweise ist der Stier in der Astrologie ein Erdzeichen, aber im Mithras-Kult wird der Stier durch die Form der Hörner in Verbindung bebracht mit der Mondsichel, Kelch und Wasser. So kann es in manchen Fällen - gerade bei mehrfach indirekten Herleitungen – sogar zu gegensätzlichen Zuordnungen kommen, wie man es z.B. an der typischen Herleitung der französischen Spielkarten über das Tarot demonstrieren kann:

 

Element

Feuer

Luft

Wasser

Erde

Tarot

Stäbe

Schwerter

Kelche

Münzen

deutsche Spielkarten

Eichel

Blatt

Herz

Schelle

französische Spielkarten

Kreuz

Pik

Herz

Karo

 

Karo nennt man in England auch „diamonds“ und der Diamant entspricht aber von der Symbolik her dem Feuer, denn auch vom Diamant sagt man, dass er Glut oder Feuer habe. Wenn man Diamanten schenkt, so zeigt man damit das bis in alle Ewigkeit brennende Feuer der Liebe. Der Diamant reflektiert das Licht und ist damit auf der materielle Ebene die Entsprechung von Licht. Hingegen ist das Kreuz ein typisches Symbol für Materie – also Erde. Bislang habe ich noch keinen Hinweis, wo und warum es hier zu dieser Inkonsistenz in der Vier-Elemente-Struktur kommt. Möglicherweise wurden sowohl der Diamant wegen seines materiellen Wertes und seiner Härte als auch die Raute wegen der vier Ecken als Symbole für Materie empfunden. Beim Kreuz-Symbol fällt hingegen auf, dass es drei kreisrunde Enden hat, was für Kreuze eigentlich eher untypisch ist. So ähnelt diese Kreuz durchaus einem Schellenstab mit drei Schellen.

 

In der Literatur und im Internet findet man auch deutlich umfangreichere Tabellen, in denen auch Tiere, Evangelisten, Erzengel, Farben, Tattwas, Himmelsrichtungen, Tageszeiten und Jahreszeiten mit aufgeführt werden. Grundsätzlich sollte man aber bei der Interpretation solcher Tabellen vorsichtig sein, denn mitunter gibt es bei den Zuordnungen enorme Abweichungen. Da die Verfasser solcher Listen aus unterschiedlichen Traditionen stammen, kommt es auch immer wieder zu sehr unterschiedlichen Interpretationen und Zuordnungen der Elemente. Besonders auffällig wird dieser Effekt vor allem dann, wenn auch die Polaritäten der Elemente in solche Tabellen aufgenommen werden bzw. durch Himmelsrichtungen ausgedrückt werden.


 

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